Allach/Untermenzing Flüchtige Düfte

Ursache wiederholt auftretender Geruchsbelästigung lässt sich bislang nicht identifizieren

Von Anita Naujokat, Allach/Untermenzing

Klaus Trapp ist langsam ratlos. Akribisch hat sich der Vorsitzende der Seniorenvertretung im Stadtbezirk durch die Gegend gefragt bis hin zum selbstlosen Einsatz, um den üblen Gerüchen im Stadtbezirk auf die Spur zu kommen. Ohne Erfolg. Bürger hatten sich in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres gehäuft über belästigende Ausdünstungen zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Stellen, mal aus der Kanalisation, mal aus der Luft, beschwert. Die 2015 in Langwied in Betrieb gegangene Paulaner-Brauerei geriet in Verdacht. Die zuständigen Behörden untersuchten und untersuchten, stocherten aber im Trüben. Die Ursache blieb und bleibt ein Rätsel.

Das Thema hatte auch Eingang in den Bezirksausschuss gefunden, an der Sitzung nahmen Vertreter der halben Stadtverwaltung teil sowie der Brauerei, die als Geruchsprobe gar ihr abgefülltes Abwasser mitgebracht hatte. Rainer Kansy, Leiter der Betriebstechnik, und Seniorenvertreter Trapp boten einer Anwohnerin der Wilhelm-Zwölfer-Straße gar an, gemeinsam mit ihr an Ort und Stelle den unangenehmen Aromen nachzugehen. Sie hatte über besonders unerträgliche Beeinträchtigungen geklagt.

Doch dazu ist es dann doch nicht gekommen. Just als es nach besagter Sitzung zur Terminvereinbarung in ihrem Haus gehen sollte, machte sie einen Rückzieher. "Jetzt stinkt es nimma um sechse, sondern um neine auf'd Nacht, und um die Zeit hatte die Dame keinen Herrenbesuch mehr in ihrem Wohnzimmer haben wollen." So schildert es Trapp. Auch soll es mit den Gerüchen "nimmer so schlimm" gewesen sein, wie vorher. Dem widersprechen dann doch wieder die peinlichst Tag für Tag rund um die Uhr notierten Aufzeichnungen der Anwohnerin, auch nach der Sitzung. Bis zu 16 Mal pro 24 Stunden hat sie Vorfälle aufgeschrieben, von "stark ätzend" etwa am 25. November, mit Unterbrechungen von zwei Uhr morgens bis 21.30 Uhr, und an Weihnachten - "Unverschämtheit" - von zwölf bis gegen 20.30 Uhr. "Ich frage mich, wann die Frau mal schläft", sagt Kümmerer Trapp verwundert. Die Dokumentation reicht bis Neujahr und dürfte nicht die letzte gewesen sein.

Bezirksausschuss und Stadtverwaltung waren zu der Erkenntnis gelangt, im November eine E-Mail-Adresse (immissionsschutz-nord.rgu@muenchen.de) und eine Hotline (Telefon 233-963 00) zu schalten, um Bürger-Beobachtungen an einer Stelle zu bündeln und gezielt auswerten zu können. Betroffene haben dort die Möglichkeit, die Art des auftretenden Geruchs, den genauen Ort, die Zeit, ihre Adresse und die Etage anzugeben. Laut dem Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) war die Resonanz darauf bislang "äußerst gering": "Die Meldungen liegen im einstelligen Bereich", sagt Sprecher Bernd Plank. "Etwa die Hälfte davon konnte konkreten unterschiedlichen Geruchsquellen zugeordnet und geklärt werden. Bei den übrigen Meldungen steht die Klärung noch aus." Beispiele wollte das Referat nicht nennen. Es bleibt also rätselhaft.