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Allach/Untermenzing:Stumme Zeugen

Vermutete Funde aus einem Zwangsarbeiterlager
von Krauss-Maffei an der Ecke Ludwigsfelder,
Krauss-Maffei-Straße

Die Haufen zerbeulten, rostigen Metalls könnten vielleicht einmal Eßnäpfe, Schüsseln oder Teile einer Heizung gewesen sein.

(Foto: Walter G. Demmel/oh)

Fundstücke weisen auf früheres Zwangsarbeiterlager an der Ludwigsfelder Straße hin

Ein Fund, der noch vieles offen lässt: Bei Grabungsarbeiten zur Anlage einer ökologischen Ausgleichsfläche an der Ludwigsfelder Straße westlich der Krauss-Maffei-Straße hat der Untermenzinger Stadtteilhistoriker Walter G. Demmel zerbeulte Eßnäpfe, einen kaputten Helm, Betonbrocken, Mauerreste und andere Sachen inmitten von Erdhaufen gesichtet. Für ihn sprechen einige Indizien dafür, dass es sich dabei um Gegenstände aus einem Arbeitslager von Zwangsarbeitern für das dortige Unternehmen Krauss-Maffei handeln könnte.

Ein Anhaltspunkt ist dabei die Geschichte einer alten Zeitzeugin, die dort in der Nähe gewohnt habe. Sie hat Demmel erzählt, von einem Lagerinsassen ein Marienbildchen geschenkt bekommen zu haben, weil ihre Mutter ihm immer etwas zugesteckt habe. Sie sei der Meinung gewesen, es habe sich um einen Italiener gehandelt. Die Inschrift habe gelautet: Denk an mich. Demmel hat sie übersetzen lassen, sie war in tschechischer Sprache geschrieben. Auch der Helm sei tschechisch, sagt Demmel. Dass an der Stelle Bomben gefallen waren, wertet Demmel als weiteren Hinweis für den dortigen Standort des Lagers. Uneins seien er und andere Fachleute noch über die Lagerbezeichnung.

Er sei zwar kein Experte für Archäologie und die Geschichte von Lagern, sagt Demmel, sei sich aber ziemlich sicher, dass es sich bei den Funden um Reste davon handle. Ein historisch tätiger Bekannter von ihm habe die Sachen entdeckt. Daraufhin habe er sich aufgemacht, um sie sich anzusehen und fotografierte sie. Insgesamt seien es etwa 15 größere und kleinere Metallhaufen gewesen, die die Arbeiter peu à peu getrennt von den Betonbrocken mittlerweile abtransportiert hätten.

Etwa 20 Aufnahmen hat Demmel gemacht. Die Bilder habe er an das Stadtarchiv gesandt, seien aber noch nicht ausgewertet. Mittlerweile ist die Ausgleichsfläche wieder eingeebnet. Ob die Exponate aus dem Arbeitslager stammen, zeige sich in den nächsten Monaten, sagt Demmel. Er hoffe, sie in absehbarer Zeit mit Andreas Heusler vom Stadtarchiv auswerten zu können. Wegen der Corona-Krise mag Demmel im Moment aber keine übereilten gemeinsame Treffen. Die Fundstücke seien Jahrzehnte im Boden gewesen, da werde man auch noch einige Wochen warten können, sagt er.

© SZ vom 17.04.2020

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