Allach/Untermenzing Die Eversbusch-Lawine

Stoßstange an Stoßstange drängt sich der Verkehr durch die Eversbuschstraße. Seit Jahren steht ein Umbau Höhe Ludwigsfelder Straße an.

(Foto: Robert Haas)

Allach drängt auf Konzepte. Planer sollen durch A-99-Ausbau Schleichverkehr verhindern

Von Anita Naujokat, Allach/Untermenzing

Ein Verkehrskonzept für das Gebiet westlich der Bahn fordert der Allach-Untermenzinger Bezirksausschuss (BA). "Wir wollen nicht mehr ein Klein-Klein an jeder Stelle, sondern eine ganzheitliche, umfassende Lösung", sagte Pascal Fuckerieder, Sprecher der SPD-Fraktion und Vorsitzender des Unterausschusses Verkehr. In den vergangenen Jahren seien eine Menge Wünsche und Ideen entstanden, um einzelne verkehrliche Probleme, Gefahrensituationen und Belastungen zu lösen. Wegen der Vielzahl dieser Themen und dem in den vergangenen Jahren wieder deutlich angestiegenen Verkehr müsse statt vieler kleiner Änderungen ein nachhaltiges abgestimmtes Verkehrskonzept erarbeitet und schnell realisiert werden, sagte Fuckerieder.

Besonders berücksichtigt werden sollen der Bereich der Eversbuschstraße und alle daran angrenzenden Gebiete bis hin zur A 99. Die Planer sollen nach Lösungen suchen, wie der zunehmende Verkehr aufgrund der wachsenden Stadt und des wachsenden Umlandes in den Griff zu bekommen ist und wie die A 99 ertüchtigt werden kann, um den täglichen Schleichverkehr durch den Stadtbezirk zu vermeiden. Auch der öffentliche Personennahverkehr müsse in den Stadtrandlagen verbessert, Lkw-Verkehr aus den Wohngebieten herausgehalten, die Schulwegsicherheit erhöht und Parkraum sichergestellt werden.

Gerade die Sicherheit von Schulkindern, Radfahrern und Fußgängern in der Eversbuschstraße treibt die Bürger immer stärker um. Im Juni haben Eltern die Online-Petition "Verkehrsgefahr in München-Allach" ins Leben gerufen, die innerhalb eines knappen halben Jahres 335 Unterstützer fand - 256 aus Allach-Untermenzing. Die Unterschriften sind jetzt dem BA überreicht worden, der sie weiterleiten wird. Die Unterzeichner fordern die Stadt München auf, das Thema Fußgänger-, Radfahrer- und Schulwegsicherheit, insbesondere in der Nähe der Grundschule an der Eversbuschstraße, bevorzugt und mit einer deutlich höheren Priorität zu behandeln, als in den vergangenen Jahren.

In den Kommentaren zu der Online-Petition ist von täglich lebensbedrohlichen Situationen die Rede. Auto- und Lastwagenfahrer rasten regelmäßig mit unverminderter Geschwindigkeit über Gehwege, um Gegenverkehr oder Abbiegern auszuweichen. Eine Schulweghelferin schilderte dem BA unlängst, von einem Lkw fast an eine Mauer gepresst worden zu sein. Täglich müsse sie aufpassen, nicht überfahren zu werden. Auch Radfahrer berichten von "hautnahen" Erfahrungen auf der Straße. Der schon seit 1987 geplante Ausbau der neuralgischen Kreuzung Eversbuschstraße/Ludwigsfelder Straße steckt in einem Gerichtsverfahren fest, da sich die Eigentümer eines benötigten Grundstücks weigern, es abzutreten. Laut dem Kreisverwaltungsreferat befindet sich die Eversbuschstraße zwar im regelmäßigen Messprogramm der städtischen Geschwindigkeitsüberwachung und werde mit "einer hohen Intensität zu Messzwecken angefahren". Aufgrund des dort herrschenden Parkdrucks sei es aber leider nur selten möglich, einen geeigneten Aufstellplatz (etwa elf Meter) für die Messeinrichtung zu finden, bedauert die Behörde. Bei dem, was sie aber in diesem Jahr hat messen können, habe die Beanstandungsquote bei 11,33 Prozent gelegen. Dies entspreche dem derzeit stadtweiten Schnitt.

Der Bezirksausschuss hofft zumindest, eine Anlage zum Anzeigen der Geschwindigkeit zu bekommen, sollten Stadtteilgremien diese selbst anschaffen können. Dies hat die Stadt aber noch nicht abschließend geprüft. Das Verkehrskonzept will der Bezirksausschuss breit aufgestellt wissen: Intensiv eingebunden werden sollen neben den Stadtbezirksvertretern selbst auch die Polizei, die Verkehrsbetriebe und die Bürger. "Das wird noch ein zähes und langwieriges Thema", prognostizierte die Bezirksausschuss-Vorsitzende und CSU-Stadträtin Heike Kainz: "Wir müssen aber deutlich machen, dass eine grundsätzliche Lösung her muss."