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Allach/Untermenzing:Eine Frage des Standpunkts

Ernüchterung hier, Zuversicht dort: Die Reaktionen auf ein Gespräch mit Experten über die Zukunft des Landschaftsschutzgebiets Angerlohe können kaum unterschiedlicher ausfallen

Zu völlig unterschiedlichen Interpretationen eines Gesprächs mit Experten über die Zukunft des Landschaftsschutzgebiets Angerlohe sind Heike Kainz und Falk Lamkewitz gekommen. Einig waren sich die CSU-Stadträtin und Bezirksausschuss-Vorsitzende und der Grünen-Fraktionssprecher, zugleich Vorsitzender des Unterausschusses "Umwelt, Freizeit und Sport", in ihren Berichten von dem Treffen im Juli lediglich in einem Punkt: dass die anwesenden Fachleute versiert und fundiert gewesen seien.

Ansonsten sei die Bilanz über den Zustand "zwischen den Zeilen" ernüchternd und fatal ausgefallen, sagte Lamkewitz. Auch die rechtlichen Möglichkeiten seien enttäuschend. Viele Tiere wie Rebhühner, Fasane und Marder seien in dem etwa 40 Hektar großen Waldgebiet in Untermenzing, das als bedeutender Restbestand des ehemaligen Lohwaldgürtels gilt, bereits ausgestorben. Zu seinem Erhalt müssten fußballgroße Felder gerodet und wieder aufgeforstet werden. Bis die Bäume gewachsen seien, vergingen Jahrzehnte. Hunde auszusperren ginge nicht, auch könne der Zugang zu gewissen Wegen nicht untersagt werden. Auch einen Waldbetreuer werde man nicht bekommen. Stattdessen hätten die Experten pädagogische Maßnahmen empfohlen, etwa in Zusammenarbeit mit Schulen, um das Bewusstsein für die Natur zu sensibilisieren. Er bezweifle, ob die Angerlohe ohne konkrete Maßnahmen in 100 Jahren noch so bestehe.

Im Spannungsfeld zwischen Freizeitnutzung und Naturschutz: Eine Leinenpflicht für Hunde hat die Stadt abgelehnt.

(Foto: Anton Brand/oh)

Heike Kainz kommt zu einem ganz anderen Resümee. Sie habe die Äußerungen der Fachleute keineswegs so negativ wahrgenommen, sagte sie. Wege dürften zwar nicht geschlossen werden, "aber im Vergleich ist die Angerlohe noch gut in Schuss", sagte sie. Was die besagten Rodungen betreffe, seien diese nur notwendig, wenn man bestimmte Baumarten entwickeln wolle, wie Eichen. Denn diese bräuchten viel Licht und damit viel Fläche, um gedeihen zu können. Einzig dafür bräuchte es großflächige Rodungen. "Wir haben immerhin noch die Wälder, und das ist gut bei der hohen Bebauungsdichte. Deshalb sollten wir nach jedem noch so kleinen Strohhalm greifen, um etwas zu verbessern", sagte sie. Ihr Eindruck sei, dass es um die Angerlohe besser bestellt sei als befürchtet.

Anlass, sich überhaupt mit dem Thema zu befassen, war der aufkeimende Konflikt zwischen der Freizeitnutzung und dem Naturschutz in dem Gebiet, in dem vor allem Hundehalter mit frei laufenden Tieren ins Visier geraten waren. Die Grünen hatten moniert, dass sich immer mehr Trampelpfade durch das Gebiet zögen und Spaziergänger sich nicht an die Hauptwege hielten, was Flora und Fauna zerstöre. Ebenso wie frei laufende Hunde, die in den Tümpeln der Biotope badeten, Tiere im Gebüsch aufstöberten und Brüter störten. Deshalb hatte der Bezirksausschuss erwogen, prüfen zu lassen, ob das Gebiet nicht ebenso wie die Allacher Lohe unter Naturschutz gestellt werden könne. Dagegen haben Anwohner, mit und ohne Hund, aufbegehrt. Sie wollen die Angerlohe als Naherholungsgebiet erhalten wissen, und nicht jedes ihrer Gebiete strengen Naturschutzregeln unterordnen.

40 Hektar ist das Waldgebiet Angerlohe groß.

(Foto: Anton Brand/oh)

Eine Leinenpflicht für die Angerlohe hatte die Stadt aufgrund mangelnder Rechtsgrundlage zuvor schon abgelehnt und auch keine Aktualisierung der Landschaftsschutzgebietsverordnung in Aussicht gestellt. Und was das Betreten der Wege und des Waldes betreffe, gelte die Angerlohe als freie Naturlandschaft, in der man zur Erholung auch in den Wald dürfe, lautete seinerzeit die Antwort des städtischen Baureferats auf eines Antrag des Bezirksausschusses.

Henning Clewing (FDP) stellte in der aktuellen Diskussion klar, dass eine "Umerziehung der Bevölkerung" schwer werde. Wenn es überhaupt eine Möglichkeit geben, "dann nur über die Kinder". Heike Kainz sagte, dass die pädagogischen Ansätze zweifellos unter Einbeziehung der Schulen und über spielerische Ausgestaltungen stattfinden müssten. Vielleicht könnte auch die benachbarte Polizeihundeschule mit Aktionen dazu beitragen. Sie stellte in Aussicht, dazu in nächster Zeit entsprechende Anträge vorzubereiten.