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Allach:Spuckschutz statt Messestand

Der Ausstellungsgestalter mbco produziert temporär Trennwände für die Gastronomie und nimmt die Plexiglasscheiben zurück, wenn sie ausgedient haben

In den riesigen Hallen auf dem Junkers-Areal in Allach hat seit 24 Jahren das Messebauunternehmen "mbco Messe Bauer & Companions GmbH" seinen Sitz. Wegen Corona steht in der Branche alles still, im Mai wurden die Angestellten in Kurzarbeit geschickt. Doch durch eine Bekannte kam der technische Direktor Josef Schleibinger auf eine Idee, die nicht nur seinem eigenen Unternehmen, sondern auch der Gastronomie helfen könnte.

Das "Steinheil 16" in der Maxvorstadt zum Beispiel suchte fieberhaft nach einer Lösung, um für die Gäste, die vom 25. Mai an auch wieder im Inneren des Gasthauses sitzen dürfen, ausreichend Infektionsschutz gewährleisten zu können. Mehrere Angebote holte Inhaberin Susanne Allmang ein, das günstigste kam von Josef Schleibinger - was an seinem Geschäftskonzept liegt, denn so manches verleiht mbco nur. Nicht benötigte Materialien nimmt der Messebauer von Kunden zurück, um daraus wieder Neues zu schaffen.

Umgesattelt: Josef Schleibinger (links) stellt mit den mbco-Mitarbeitern jetzt Trennwände her.

(Foto: Catherina Hess)

Das sei zum einen ressourcenschonend, gleichzeitig gebe es den zehn festangestellten und den vielen freien Mitarbeitern etwas zu tun, erklärt Schleibinger. Schließlich bedeutet Wiederverwendung immer auch Aufwand. Das Unternehmen verwendet unter anderem Altmaterial, um Trennwände aus Plexiglas zu produzieren, die etwa zwischen Tische gestellt werden können. "Jeder Tag, an dem ich jetzt die Leute reinbringen kann, ist gut", sagt Schleibinger mit Blick auf seine Mitarbeiter.

Die Trennwände werden für Gaststätten und Hotels verwendet.

(Foto: Catherina Hess)

Die Gaststätte allerdings geht ein gewisses Risiko ein, schuld daran ist die bayerische Allgemeinverfügung. Während es in der Schweiz, Österreich und beispielsweise in Hamburg möglich ist, Trennwände anstelle des gebotenen Abstandes einzusetzen, müssen "geeignete Trennvorrichtungen" im Freistaat nach Auskunft des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands vor Ort von den Behörden genehmigt werden. Ob die Höhe von 1,80 Metern, die der Messebauer produziert, dann ausreichend ist, sei eine Einzelfallentscheidung.

Das Unternehmen aus Allach jedenfalls liefert die Trennwände zum Festpreis innerhalb Münchens, doch mit einer Besonderheit: Schleibinger gibt die Plexiglaswände auf unbefristete Zeit ab. Wenn die Gastronomie sie nicht mehr benötigt, holt er sie getreu seinem Konzept wieder ab. Das hat Vorteile für beide Seiten: Die Materialien kann mbco neu verarbeiten, und die Trennwand-Besitzer auf Zeit müssen sich nicht um die Entsorgung kümmern.

Das ausgemachte Ziel ist es, 1000 Trennwände zu fertigen. Bis sich der Betrieb wieder dem Kerngeschäft Messebau widmen kann, geht es Schleibinger vor allem darum, seine Angestellten zu beschäftigen und die Miete der denkmalgeschützten Hallen in Allach zu bestreiten. Ob die Trennwände von mbco für die Gastronomie die richtige Lösung sind, bleibt derweil abzuwarten. In verwinkelte Lokale passen solch sperrige Schutzmaßnahmen sowieso nicht.

© SZ vom 19.05.2020

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