Theaterstück über Alan Turing:Einsamkeit eines Genies

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Nöte eines Hochbegabten: Thorsten Krohn als Alan Turing im Theaterstück „Alan – Mensch Maschine“. (Foto: Severin Vogl)

„Alan – Mensch Maschine“, ein Theaterwunderwerk über Alan Turing – der KI erdachte, lange bevor es sie gab –, ist wieder im HochX zu sehen. Und bei den Theatertagen in Ingolstadt und Wasserburg.

Von Egbert Tholl

Mitten im Winter hatten sie 20 Kästen aufeinander, nebeneinander, übereinander gebaut, so groß wie Schuhschachteln, nach vorne offen, auf der Bühne verteilt. In den Schachteln: Räderwerke, ein Sägeblatt, Klavierhämmerchen, kleine Kettenkarusselle, alles zusammen konnte scheppern und klappern, einen mechanischen Gesang anstimmen. Dazu glommen die Kästen geheimnisvoll, wurden von LEDs umrahmt, alles funkelte und Musik toste drumherum. Aber die Maschine stand nicht für sich, sie war ein Theaterwunderwerk.

Das großartige Maschinenlebewesen hatten Greulix Schrank und Christian Heiß gebaut; zusammen sind sie Portmanteau und haben schon einige Wunderwerke geschaffen, sie sind die Tinguelys des Theaters. Doch so wundersam ihre Erfindungen sind, sie sind nie Selbstzweck, sie korrespondieren mit dem, was sonst noch auf der Bühne passiert, sie sind Spielpartner eigener Art. In diesem Fall ist die Maschine der Partner eines sehr einsamen Menschen, Alan Turings, der Künstliche Intelligenz erdachte, bevor es sie gab.

Alan Turing half, den Enigma-Code zu knacken, erfand den Computer – und wurde kastriert

Damals musste für „Alan – Mensch Maschine“ die Kulturbühne Spagat in die Halle 50 in den Domagkateliers umziehen, das Stammhaus wäre zu klein gewesen. Jetzt ist das wundervolle, aufregende Zusammenspiel zwischen zerbrechlicher Menschlichkeit und glitzernder Maschine wieder zu sehen, erst einmal im HochX, dann bei den Bayerischen Theatertagen in Ingolstadt und schließlich noch am Theater Wasserburg bei den Theatertagen dort.

Es geht um Alan Turing, der den Computer miterfand und Maschinen so dachte, wie es KI seit einigen Jahren tut, und der im Zweiten Weltkrieg half, den Code der Enigma-Verschlüsselungsmaschine der Deutschen zu knacken. Und es geht um die Geschichte eines Verlorenen, Einsamen, eines Homosexuellen in einer Gesellschaft, in der man das nicht sein durfte. Turing wurde chemisch kastriert, verfiel in Depressionen und brachte sich 1954 um.

Der Schauspieler Thorsten Krohn ließ damals diese Nöte anrührend greifbar werden, Lucca Züchner spielte – neben anderen Rollen – die herrliche Frau, die Turings Rettung hätte sein können. Das war aufwühlend, lehrreich und wird sich nun, da die beiden ja wieder dabei sind, wiederholen.

„Alan – Mensch Maschine“, Mittwoch, 29. Mai (19.30 Uhr), 30. Mai (11.30 & 19.30 Uhr), 31. Mai (19.30 Uhr), 1. Juni (19.30 Uhr), HochX, Entenbachstraße 37. 14. Juni bei den Bayerischen Theatertagen in Ingolstadt, 22. Juni bei den Wasserburger Theatertagen am Theater Wasserburg.

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