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Aktiver Geschichtsverein:Spannende Einblicke

Kaplan Anton Bauer

Entdeckertradition: Kaplan Anton Bauer untersucht um 1933 die Mauer der St.-Martins-Kirche.

(Foto: Johann Sinseder/GSLM)

Drittes Heft der "Moosacher Geschichtsblätter" wartet mit besonderer Entdeckung auf

Von Anita Naujokat, Moosach

Schon das Cover birgt aus Stadtviertelsicht eine kleine Sensation. Die auf den ersten Blick eher unscheinbar wirkende Skizze zeigt einen Ausschnitt einer bisher nie veröffentlichten Zeichnung Moosachs von Johann Georg von Dillis (1759-1841), Landschaftsmaler, kurfürstlicher Galerieinspektor und Verantwortlicher des Ausstellungskonzepts der 1836 eröffneten Alten Pinakothek.

Entdeckt und als historische Aufnahme von Moosach erkannt hat das Bild der junge Historiker Patrick Charell bei der Aufarbeitung eines Nachlasses aus dem 19. Jahrhundert aus dem Eigentum des Historischen Vereins von Oberbayern. Für das eben erschienene dritte Heft der "Moosacher Geschichtsblätter", herausgegeben vom örtlichen Geschichtsverein, hat sich Charell in einem Aufsatz auf die Spuren Dillis' und dessen bis dato anonymen Bildes "Dorf mit Kirche" aus dem Jahr 1803 begeben. Nebenbei erfährt der Leser zwischen den Zeilen auch einiges über die akribische Arbeit von Historikern. Wie auch in Volker D. Laturells Abhandlung über das Wirken und Wesen von Geschichtsvereinen, deren Wichtigkeit für die einzelnen Stadtteile - und warum zum Graben in der Vergangenheit immer auch der Blick in die Zukunft gehört. Die frühen Bemühungen um die Ortsgeschichte seien meist "G'studierten" wie Pfarrern und Lehrern überlassen geblieben.

Auch sonst enthält die dritte Ausgabe viele spannende Beiträge. Etwa über den tragischen Tod des Zoologen Johann Georg Wagler im Jahr 1832. Warum man die "Magda", das evangelische "Herein-Kirchlein" an der Ohlauer Straße, vor mehr als 30 Jahren sozusagen um das Café herum gebaut hat oder wo und wie Moosachs erste Photovoltaikanlage entstanden ist. Und wer eigentlich dieser Siegmund Schacky war, nach dem im Stadtbezirk eine Straße benannt ist. Veronika Linden, stellvertretende Vorsitzende des Geschichtsvereins, hat eigens einen Vortrag ihres 2017 verstorbenen Mannes Wolfgang über die Olympia-Pressestadt als Sprachorgan der Olympischen Spiele in Schriftform für das Heft aufbereitet. Ganz aktuell ist der Bericht über die Einweihung des Erinnerungszeichens im Februar an Dirk Koedoot - Münchens erstem Erinnerungszeichen für einen Zwangsarbeiter des NS-Regimes überhaupt und das erste im Stadtbezirk.

Wichtig ist dem Geschichtsverein die Lesbarkeit, also verständliche und ansprechende Texte. Die Geschichtsblätter sollen Lust auf die Historie des Stadtteils machen und zeigen, dass Geschichte nichts weit Entferntes ist, sondern direkt vor der eigenen Haustür beginnt. Erstmals erfährt man in dieser Ausgabe in kleinen Porträts, wer hinter dem Geschichtsverein steckt. Dazu gibt es eine Chronik über die Arbeit des Vereins. Anlass ist das zehnjährige Bestehen im vergangenen Jahr.

Erschienen ist die Ausgabe in einer Auflage von 750 Stück. Den Leser erwarten 72 gebundene Seiten im DIN-A4-Format mit 82 farbigen und 28 Schwarz-Weiß-Abbildungen. Zu beziehen ist es zum Preis von fünf Euro in der Buchhandlung "Blattgold" im Einkaufszentrum Meile Moosach, Bunzlauer Platz 7; im Stadtteilladen, Dachauer Straße 270 b; über den Geschichtsverein, voraussichtlich bei Hugendubel im Olympia-Einkaufszentrum (OEZ), Riesstraße 59, und nach Wiedereröffnung auch im Pelkovenschlössl am Moosacher Sankt-Martins-Platz 2. Mitglieder des Geschichtsvereins erhalten es kostenlos.

© SZ vom 20.06.2020

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