Kritik:Umjubeltes Debüt

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Der junge Geiger Johan Dalene lässt staunen beim Akademiekonzert in der Staatsoper.

Von Klaus Kalchschmid

Gerade mal 22 Jahre jung ist der schwedisch-norwegische Geiger Johan Dalene. Doch hat der gerade vom Magazin Gramophone zum "Young Artist of the Year" Gekürte bereits drei Alben veröffentlicht. Auf dem jüngsten war neben dem Violinkonzert von Carl Nielsen das von Jean Sibelius enthalten. Er spielte es auch bei seinem umjubelten Debüt als Einspringer für Sasha Rozhdestvensky beim Akademiekonzert des Bayerischen Staatsorchesters im Nationaltheater unter Leitung von Risto Joost.

Schon bei den ersten, mystisch verhangen mürben Tönen spitzte man die Ohren: Welch' ein feines, hochmusikalisches Spiel! Was folgen sollte, wurde sowohl den virtuosen Anforderung des klassisch dreisätzigen Konzerts mehr als gerecht, wie den oftmals herrlich verhangenen Melodien, die meist aus dem Orchesterklang hervorgehen oder in ihn eintauchen. Der uneitle Ernst, mit dem Johan Dalene von einer Haltung in die andere wechselte und stets einen wunderbar biegsam lockeren Ton pflegte, war wirklich staunenswert.

Eigentlich wollte man danach - außer einer feinen Bach-Zugabe - nichts mehr hören. Doch nach der sehr farbig musizierten einleitenden Tondichtung "Sadko" von Nikolai Rimski-Korskakow erlebten Modest Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" nach der Pause eine ebenfalls grandiose Aufführung. Die dunklen Farben des Sibelius-Konzerts wirkten nach, so im "Alten Schloss" oder bei "Der Ochsenkarren". Joost hetzte nicht von Bild zu Bild, sondern nahm sich Zeit für die Details und das Charakteristische der einzelnen Teile, was zu einer enorm plastischen Spannung führte und jede Instrumentengruppe einschließlich der Soli zu Hochform auflaufen ließ; grandios etwa die Bläser in den "Katakomben" oder die Streicher bei "Samuel Goldeberg und Schmuyle".

"Das Heldentor in der alten Hauptstadt in Kiew" wuchs einschließlich der sakralen Chorgesang andeutenden Teile und der gewaltigen Glocken zu überirdischer Gestalt an - schon Imagination von etwas Jenseitigem. Zu Recht gewaltiger Applaus.

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