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Ai Weiwei 2009 im Haus der Kunst:Der Widerstand erreicht München

Es ist die Kunstausstellung des Jahres: Im Münchner Haus der Kunst zeigt der chinesische Regimekritiker Ai Weiwei seine Werke.

Lisa Sonnabend

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Es ist die Kunstausstellung des Jahres: Im Münchner Haus der Kunst zeigt der chinesische Regimekritiker Ai Weiwei im Oktober 2009 seine Werke.

Chinas Regimekritiker fällt auf, weil er so gelassen und ruhig ist. Während Ai Weiwei am Freitagvormittag bei der Pressekonferenz zu seiner Ausstellung "So sorry" im Münchner Haus der Kunst auf dem Podest sitzt und Fragen beantwortet, hält er die Arme verschränkt, den Blick gesenkt und lächelt freundlich. Doch wenn Ai Weiwei den Kopf ein wenig dreht, wird klar, dass er eigentlich gar keinen Grund hätte, so gelassen zu sein. Die blutigen Narben sind noch deutlich zu sehen.

Fotos und Text: Lisa Sonnabend

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Es ist das Kunstereignis des Jahres, nicht zuletzt, weil der derzeit international bekannteste Künstler Chinas, Ai Weiwei, am 12. August wegen seiner politischen Aktivitäten im Erdbebengebiet in Sichuan verhaftet und von der Polizei geschlagen worden war.

Als er Mitte September in München eintraf, musste er im Klinikum Großhadern notoperiert werden - wegen Hirnblutungen. Beinahe hätte Ai Weiwei die Eröffnung seiner ersten großen Ausstellung nicht miterlebt.

Ai Weiwei sagt nun mit einer gewissen Ironie: "Mein Erinnerungsvermögen wird in zwei Monaten wieder normal sein, hat der Arzt gesagt. Aber ich habe sowieso kein besonders gutes Gedächtnis, deswegen stört es mich eigentlich gar nicht."

Ai Weiwei im Haus der Kunst München

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Der Titel der Ausstellung ist kurz: "So sorry". Ai Weiweis Vater, ein Schriftsteller und Mao-Anhänger, wurde mit seiner Familie 1957 in die Wüste verbannt, wo er nicht mehr schreiben und lesen durfte. Erst 1978 wurde er rehabilitiert - mit einem knappen "Sorry". Die Opfer des Erdbebens von Sichuan dagegen haben überhaupt keine Worte der Entschuldigung bekommen...

Ai Weiwei im Haus der Kunst München

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An der Fassade des Haus der Kunst hat Ai Weiwei 9000 Rucksäcke angebracht - 100 Meter lang, zehn Meter hoch ist das Kunstwerk. "Remembering" heißt die Installation, mit der der Chinese das Erdbeben in Sichuan ins Gedächtnis ruft, bei dem tausende Schulkinder unter den eingestürzten Gebäuden, die aus minderwertigen Baumaterialien errichtet worden waren, starben.

Mit den verschiedenfarbigen Rucksäcken hat Ai Weiwei in chinesischen Schriftzeichen den Satz geformt: "Sieben Jahre lebte sie glücklich in dieser Welt." Mit diesen Worten gedachte eine Mutter ihrer Tochter.

Foto: ddp

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Ai Weiwei geht es um Performance und Regimekritik. Leben, Politik und Kunst sind bei ihm eins. Der Künstler bohrt wie kein anderer in den Wunden des Riesenreichs. Seine Kunst ist lebensgefährlich für ihn geworden, doch die Öffentlichkeit und der Ruhm, die er mit ihr generieren kann, geben ihm Schutz.

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Aufsehen erregte Ai Weiwei schon vor einigen Jahren in China, als er bei den Planungen des Pekinger Olympiastadions, dem "Vogelnest", als Ideengeber involviert war. Später distanzierte er sich von den Olympischen Spielen und dem Stadion, da er die Sportveranstaltung für Propagandazwecke missbraucht sah.

Ai Weiwei im Haus der Kunst München

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Bekannt wurde Ai Weiwei hierzulande 2007, bei der Documenta in Kassel, als er 1001 Chinesen für sein Kunstprojekt einfliegen ließ. Und nun die große Ausstellung in München.

In Bremen hat er nebenbei das Bühnenbild für eine Oper entworfen, die am Wochenende Premiere feierte. Eigentlich wollte er auch zur Frankfurter Buchmesse reisen. Seine Teilnahme hat er aber inzwischen abgesagt. Wegen gesundheitlicher Probleme, wie er sagt. China ist in diesem Jahr Gastland in Frankfurt.

Ai Weiwei im Haus der Kunst München

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Die Ausstellung "So sorry" könnte er in China gar nicht zeigen. Dort erreicht er die Menschen vor allem über sein Blog und Twitter. Im Internet hat Ai Weiwei auch den Aufbau der Installationen im Haus der Kunst dokumentiert.

Er fotografiert zudem die Journalisten, die ihn interviewen und fotografieren (siehe Foto), die Restaurants der Stadt, in denen er gegessen hat, den Eisbach mit den Surfern oder Menschen in Lederhosen auf dem Oktoberfest.

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In riesigen Containern wurden die Holzstämme und Möbel aus China über Hamburg nach München transportiert. Seit einigen Wochen lebt Ai Weiwei im Untergeschoss des Haus der Kunst, um den Aufbau seiner Ausstellung zu begleiten.

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Neben dieses Foto hat Ai Weiwei ein Zitat anbringen lassen: "Ich bin nicht grundsätzlich negativ. 'Fuck off' ist die Einstellung, die ich als Einzelperson gegenüber Institutionen und Machtstrukturen habe."

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Es geht dem chinesichen Künstler auch um den Umgang mit Traditionen. Hier hat er kostbare, antike Vasen mit billigen Farben bepinselt.

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Er helfe auch dabei, das Haus der Kunst ein wenig zu renovieren, sagt Ai Weiwei verschmitzt. Hoch oben hat er Bambusstäbe, die von antiken Vasen getragen werden, angebracht.

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Am Sonntag, den 11. Oktober, wird die Ausstellung offiziell eröffnet. Besucher haben an diesem Tag freien Eintritt. Ab 12 Uhr gibt es ein Programm aus Vorträgen, Diskussionsrunden und Livemusik.

Ai Weiwei - "So sorry", Haus der Kunst, vom 11. Oktober 2009 bis 17. Januar 2010, Montag bis Sonntag von 10 bis 20 Uhr, Donnerstag bis 22 Uhr.

Fotos und Text: Lisa Sonnabend/wib

© SZ.de/sonn/wib

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