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Affäre um Altherrenwitze:Wiesnrundgang ohne Wiesnstadtrat

Wiesnstadtrat Otto Seidl war beim traditionellen Rundgang über das Wiesngelände nicht dabei.

(Foto: Claus Schunk)
  • Wiesnstadtrat Otto Seidl (CSU) fehlte am Donnerstag zum traditionellen Vorab-Rundgang über das Festgelände.
  • Er nahm stattdessen an einer Sitzung des Kommunalausschusses teil.
  • Seidl war in die Kritik geraten, weil er auf Twitter ein Nacktbild gepostet hatte, das rassistisch interpretiert werden kann.

Da hat man schon einmal einen nagelneuen Wiesnstadtrat, und dann ist er nicht da - so geschehen am Donnerstag, als Bürgermeister Josef Schmid (CSU) seinen traditionellen Vorab-Rundgang über das Oktoberfest macht.

Normalerweise ist das ein Pflichttermin für den Wiesnstadtrat als Bindeglied zwischen Kommunalparlament, Verwaltung und Beschickern. Und deshalb war die Verwunderung groß, dass Otto Seidl (CSU) ausgerechnet am Donnerstag fehlte.

"Krank gemeldet hat er sich nicht", hieß es von der Verwaltung, "vielleicht kommt er später nach?" Einzelne Kollegen aus dem Stadtrat, die freilich nicht genannt werden wollten, fragten sich eher, ob Seidl vielleicht zurückgetreten sei - wegen der Altherrenwitz-Affäre um seinen Twitter-Account. Dort war ein Nacktbild gepostet, das rassistisch interpretiert werden kann.

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Zurückgetreten sei er nicht, sagte eine Sprecherin der CSU-Fraktion. Und krank sei Seidl auch nicht, weil er an der gleichzeitig stattfindenden Sitzung des Kommunalausschusses teilgenommen habe. Das sei der aktuelle Stand, mehr gebe es nicht, sagte die Sprecherin.

Seidl selbst kann man am Nachmittag nicht fragen, weil er nicht zu erreichen ist. Führende CSUler beißen sich auf die Zunge, wenn man nachhakt. Irgendwie wird nur klar, dass zwischen Partei und ihrem Wiesnstadtrat noch Gesprächsbedarf besteht. Weniger wegen des freizügigen Fotos, als über dessen Verteidigungs-Strategie danach. Seidl blieb schlüssige Erklärungen schuldig und erklärte, er habe dieses Foto nicht verschickt, sein Account müsse gehackt worden sein.

Er werde deshalb umgehend Strafanzeige erstatten. Nun lag aber der zuständigen Staatsanwaltschaft München I laut einer Sprecherin bis Donnerstagnachmittag keine Anzeige Seidls vor. Was ihn und seine Geschichte auch CSU-intern nicht unbedingt glaubwürdiger macht. Und das wenige Tage vor dem Wiesn-Auftakt.

Für das Problem sucht die CSU nach einer Lösung noch vor dem Anstich. Das fällt ihr nicht leicht. Seidl hatte sich im Sommer gegen seinen Parteifreund Richard Quaas durchgesetzt, der dann mit Parteiflucht drohte und mit zwei anderen Posten ruhiggestellt werden musste. Eine neue Wahl erscheint unwahrscheinlich, ein leerer Sitz in der Kutsche beim Wirte-Einzug aber auch. Vielleicht erlebt man ja am Freitag einen reuigen Wiesnstadtrat - und am Samstag einen geläuterten Otto Seidl in der Kutsche.

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© SZ vom 16.09.2016/jey
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