Ärger um das Radstadion Der Olympische Geist kann Millionen kosten

Mit ihren Stadien hat die Stadt derzeit doppelt Pech. Zum einen wirft der Bestechungsskandal bei der Allianz-Arena einen Schatten auf Münchens guten Ruf. Zum anderen drohen im früheren Radstadion im Olympiapark, wo die Stadt bei der Pleite von "Olympic Spirit" 20 Millionen Euro versenkte und laufend Verlust macht, wegen eines Prozesses weitere Einbußen.

Von Von Berthold Neff

Nachdem sich die Bahnradfahrer bei den Olympischen Spielen 1972 ihre Medaillen erstrampelt hatten, zog in der Radsporthalle Tristesse ein. Die meisten der knapp 700000 Besucher, die bis 1995 den Weg in die Halle am Rand des Olympiaparks fanden, trafen sich dort zum Tennis auf vier überdachten Plätzen. Das deckte nicht einmal die laufenden Betriebskosten, so dass Jahr für Jahr ein Verlust von etwa 200000 Euro anfiel.

Richtig ins Minus ging es aber erst im Sommer 2000, als das mit vielen Hoffnungen und viel Geld - 20 Millionen Euro - gestartete Projekt "Olympic Spirit" nach gut einem Jahr des Betriebs Insolvenz anmeldete. Die Stadt war über die Olympiapark GmbH zur Hälfte an dem Projekt beteiligt, das die Besucher in eine interaktive Erlebniswelt rund um den olympischen Gedanken führen sollte.

Nun treffen sich einige der Akteure von damals wieder, und zwar vor dem Landgericht München I. Olympiapark-Chef Wilfrid Spronk hat die München Arena GmbH, die seit der Pleite von Olympic Spirit einen Neuanfang im Radstadion versucht, wegen ausstehender Pachtzahlungen verklagt. Wolfgang Dykiert wiederum, Chef der München Arena, konterte mit einer 73 Seiten dicken Widerklage. Seine Anwälte weisen nicht nur den Pacht-Anspruch zurück, sondern fordern ihrerseits Schadenersatz von zunächst knapp 700000 Euro von Park-Chef Spronk.

Insgesamt jedoch dürfte der Schaden, den Dykiert geltend machen wird, die Fünf-Millionen-Grenze sprengen. Er will die Olympiapark GmbH für all die Verluste zur Kasse bitten, die er als Mieter im Radstadion einfuhr. Dykiert hatte nach der Pleite von Olympic Spirit im Radstadion ein ähnliches Projekt aufziehen wollen - und zwar ohne die teuren Lizenzen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

Sein Vorhaben, mehr auf Events und auf eine stärkere Gastronomie zu setzen, fand bei der Stadt aber nur ein geteiltes Echo. Das Wirtschaftsreferat war begeistert, weil man auf schwarze Zahlen beim defizitären Radstadion hoffte, aber das Planungsreferat stellte sich quer. Das Baurecht sehe dort nur "olympische Radrennen" vor, aber keine starke kommerzielle Nutzung. Um über die Runden zu kommen, versuchte es Dykiert mit Firmenevents oder Ausstellungen wie die "Körperwelten".

Als Dykiert dann mit dem Plan für ein Fitness- und Wellness-Center aufkreuzte, machte das Planungsreferat eine Wende und genehmigte die Bauvoranfrage. Jetzt musste nur noch Park-Chef Spronk zustimmen. Dieser hatte unterdessen Kontakte zum Musical-Riesen Stage Holding ("Elisabeth", "König der Löwen") geknüpft. Da die Zukunft des Deutschen Theaters in der Schwanthalerstraße wegen Baumängeln gefährdet war, spekulierte Spronk auf ein Musical-Theater im Radstadion. Von der Öffentlichkeit unbemerkt, führte er den Stage-Holding-Chefs Joop van den Ende und Maik Klokow seine Arena vor. Letzten Endes kam man dann aber doch nicht ins Geschäft.

Da die Olympiapark GmbH eine städtische Tochter ist, schiebt Dykiert ihr die Schuld dafür in die Schuhe, dass er wegen der Behörden so lange keinen ordentlichen Betrieb im Radstadion aufziehen konnte. Die Olympiapark GmbH hingegen sagt, wenn Dykiert sein Konzept nicht umsetzen konnte, habe dies in seinem "alleinigen unternehmerischen Verantwortungsbereich" gelegen. Am 23. April 2004 ist der nächste Gerichtstermin.