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Adventszeit in München:Dieser Mann fährt die Christkindl-Tram

Ingo Naumann, Trambahnfahrer

Ingo Naumann schätzt besonders die entspannte Atmosphäre in der Christkindl-Tram - in Eile ist hier nämlich niemand.

(Foto: Florian Peljak)

Ingo Naumann ist einer von wenigen, die ins Führerhäuschen der 60 Jahre alten Bahn einsteigen dürfen. Denn dafür braucht es eine besondere Erlaubnis.

Von Johannes Korsche

Wenn Ingo Naumann "Weihnachtsschicht" hat, kommt er stets zwei Stunden vor der Abfahrt zur Arbeit. Weil es ja sein könnte, dass an dem "alten Mädchen", wie Naumann die inzwischen 60 Jahre alte Christkindl-Trambahn nennt, noch etwas zu reparieren ist. Naumann ist seit 27 Jahren Trambahnfahrer, inzwischen ist er einer von etwa zehn Fahrern, die noch ins Führerhäusl der alten Tram einsteigen dürfen.

Denn dafür braucht es eine besondere Fahrerlaubnis, die alle drei Monate erneuert werden muss. Wenn Naumann von seinem "alten Mädchen" erzählt, kommt er ins Schwärmen: "Ich genieße jede Sekunde." Wenn er im Takt zu "Last Christmas" seinen Kopf leicht mitwippen lässt, während hinter ihm in der Tram Glühwein ausgeschenkt wird oder am Straßenrand Kinderaugen größer und größer werden.

Das "alte Mädchen" ist nicht nur ein wenig anfällig für kleine Wehwehchen, die Wagen fahren sich auch besonders. "Da ist kein Computer drin wie bei den neuen - da muss man mit viel Gefühl noch selber fahren", verrät Naumann. 17 Gänge gibt es für die Beschleunigung, mit etwa 90 Kilo Sand, die an der Unterseite der Tram in Tanks gefüllt werden, wird scharf gebremst. Damit die Fahrgäste nicht durchgeschüttelt werden, und der Glühwein sich nicht auf Wintermänteln verteilt, fährt Naumann mit maximal 20 Stundenkilometern seine Runde vom Sendlinger Tor über das Isartor und das Maxmonument weiter zur Theatinerstraße und via Stachus wieder zurück zum Sendlinger Tor.

"Das ist ja auch das Schöne an der Christkindl-Tram, da ist keiner gestresst, alle sind gut drauf, trinken einen Glühwein und wollen was sehen." Das reiche von der Firmenfeier bis hin zum fünfjährigen Kind, das am Wochenende von einem Zauberer einen Luftballon-Hund geschenkt bekommt.

Die Christkindl-Tram ist bis zum 23. Dezember eben "die coolste Stadtrundfahrt in München", sagt Naumann. Unter der Woche von 15.30 Uhr bis 19 Uhr, am Wochenende von 11 Uhr bis 19.30 Uhr fährt sie halbstündlich vom Sendlinger Tor los. Ein kleines Weihnachtswunder gibt es über sie noch zu erzählen.

Vor 40 Jahren wurden die Zugnummern neu verteilt. Damals war die Christkindl-Tram noch eine Tram wie jede andere. Und doch bekam sie - "zufällig", betont die Münchner Verkehrsgesellschaft - die Zugnummer 2412.

© SZ vom 12.12.2017/amm
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