Musik und PolitikSo war das erste Adventskonzert des Ministerpräsidenten

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Fast das gesamte Kabinett war angetreten zum „Adventskonzert des Bayerischen Ministerpräsidenten“, zudem kam auch Markus Söders (Mitte) Vorgänger im Amt Edmund Stoiber (li.).  Ulrike Scharf und Florian Herrmann, Michaela Kanniber und Markus Blume (2. Reihe) rahmten Söder.
Fast das gesamte Kabinett war angetreten zum „Adventskonzert des Bayerischen Ministerpräsidenten“, zudem kam auch Markus Söders (Mitte) Vorgänger im Amt Edmund Stoiber (li.).  Ulrike Scharf und Florian Herrmann, Michaela Kanniber und Markus Blume (2. Reihe) rahmten Söder. Stephan Rumpf

Markus Söder lädt zum ersten „Adventskonzert des Bayerischen Ministerpräsidenten“ ins festliche Cuvilliéstheater. Und alle fragen sich: Singt er selbst?

Von Susanne Hermanski

Seit einer Sternstunde der deutschen Fernsehunterhaltung weiß die Nation: Bayerns Ministerpräsident kann singen. Im Sommer 2024 wurde Markus Söder von der kecken Moderatorin Ina Müller nicht nur nach gewissen Details seiner männlichen Physis befragt. Ina Müller forderte Söder auch auf, in ihrer TV-Hafenkneipe zu singen. Und er schmetterte los, gemeinsam mit ihrem Shanty-Chor: „Sie hieß Mary Ann“. Das sei der einzige Song, den er „abgesehen von der Bayernhymne singen kann“.

Als nun vielerorts die Einladungen zum „Adventskonzert des Ministerpräsidenten“ auf den Schreib- und Küchentischen landeten, gab es nur einen logischen Gedanken: Er wird doch nicht noch ein Lied gelernt haben? Oder gar das ganze Weihnachtsoratorium? „Großer Herr, und starker König“! Man hörte ihn die unsterbliche Arie von Johann Sebastian Bach förmlich schon selbstbewusst intonieren.

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Und so kamen sie am Montagabend herbeigeströmt aus allen weißblauen Himmelsrichtungen, in die hochheilige Pracht des Cuvilliéstheaters, gelegen mitten in der königlichen Residenz. Eingeladen waren vor allem Ehrenamtliche, im Besonderen Vertreterinnen und Vertreter der Feuerwehren, der Gebirgsschützen und von Trachtenvereinen. Dazu noch einige Prominente, etwa die Ex-Mama-Bavaria Luise Kinseher, die Schauspielerin Veronika Ferres, die ihren Bayerischen Verdienstorden angelegt hatte, die Fußballlegenden Paul Breitner und Sepp Maier, die Schauspielerinnen Michaela May und Jutta Speidel, Skiheld Christian Neureuther mit seiner Tochter Ameli, die Designerin und Künstlerin ist.

Über den roten Teppich, der witterungsfreundlich im Foyer ausgelegt war, liefen zudem zwei Vorgänger Söders im Amt des MP: Edmund Stoiber und Günther Beckstein sowie beinahe sämtliche Mitglieder des bayerischen Kabinetts. Es ist der Kunst- und Wissenschaftsminister Markus Blume, der bestätigt, was vorher nur Eingeweihten präsent war. Es gab in der Vergangenheit einen anderen Jour fixe in der Vorweihnachtszeit für Bayerns Minister. Der hatte seit Jahrzehnten Tradition und ist zugunsten dieses Konzerts nun abgeschafft worden.

„Dabei trafen sich die Ministerinnen und Minister zuerst zum Gottesdienst in der Hofkapelle der Residenz, und danach ging man zum gemeinsamen Abendessen ins Prinz-Carl-Palais“, erzählt Blume. Und seine Frau Aurelia ergänzt, „das war tatsächlich eine der sehr seltenen Gelegenheiten, sich einmal mit auch den anderen Frauen und Männern der Minister auszutauschen“.

Christian Neureuther, Tochter Ameli Neureuther und Luise Kinseher haben Spaß beim anschließenden Empfang.
Christian Neureuther, Tochter Ameli Neureuther und Luise Kinseher haben Spaß beim anschließenden Empfang. Stephan Rumpf

Dafür würde nun im Getümmel eines ans Konzert anschließenden Empfangs der Moment sein. Doch davor noch der eigentliche Sinn des Abends: die Musik. Die Organisatoren bieten auf, was einmal quer durch den Genre-Garten zu haben ist, von der Volksmusik bis zu symphonischen Klängen. Es treten neben anderen auf das Nürnberger Staatsorchester, die Regensburger Domspatzen und Claudia Koreck, die mit Haindling-Star Hans Jürgen Buchner ein rührendes Duett singt. Und die bei einem anderen Stück von ihrem Sohn Tim am Flügel begleitet wird, weil sein Vater, Korecks Mann Gunnar Graewert, leider krank geworden ist.

Durch den Abend, der insgesamt eine warmherzige und familiäre Atmosphäre hat, führt Florian Silbereisen, der ewige Musikantenstadel-Entertainer. Und das Nürnberger Christkindl schneit sogar höchstpersönlich herein.

Florian Herrmann liest die Heilige Nacht von Ludwig Thoma.
Florian Herrmann liest die Heilige Nacht von Ludwig Thoma. Stephan Rumpf

Für Staatskanzleichef Florian Herrmann steht vor dem mächtigen Christbaum auf der Bühne die ganze Zeit schon ein moderner Ohrensessel bereit. Er singt also schon einmal nicht. Herrmann ist ja aber auch bekannt als Mann des Buches, gibt immer wieder und gern eigene Literaturtipps, gelegentlich sogar auf der Homepage der Staatskanzlei.

An diesem Abend greift der Politiker zu einem bayerischen Klassiker: Er liest eine der sozialkritischsten Passagen aus Ludwig Thomas Versepos „Heilige Nacht“, das eigentlich im bairischen Dialekt das Lukasevangelium nacherzählt. Doch weil nun alle verstehen sollen, was gemeint ist, „und Sie ja aus allen Ecken Bayerns kommen“, sagt er, schlägt Herrmann einen unglaublich dicken Wälzer mit Goldschnitt auf und wählt für seine Lesung eine Variante auf Hochdeutsch. Eine kleine Produktenttäuschung, aber mei.

Bis Markus Söder, also der Gastgeber selbst, von Florian Silbereisen auf die Bühne gerufen wird, vergeht einige Zeit. Aber schließlich tritt er unter die güldenen Musen, die in diesem Rokokohaus über allem schweben. Söder scherzt ein wenig mit dem Nürnberger Christkind, das munter neben ihm steht, bedankt sich bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die übers Jahr Bayern zu einem Ort des Miteinanders machten. Aber singt er auch?

Er tut es nicht. Fast nicht. Denn ganz am Ende der Bühnenvorstellung hat Florian Silbereisen noch eine Idee. Nach all den schönen Weihnachtsliedern, nach Tschaikowskys Nussknacker-Suite und nach den warmherzigen Countrysongs von Claudia Koreck, als sowieso alle nochmal gemeinsam auf der Bühne stehen, soll ein weiteres Lied erklingen: die Bayernhymne. Die Musiker im Guckkasten legen sich ins Zeug und bekommen das prima hin. Im Publikum, da brummen viele mit. Also auch Markus Söder; und so gibt er doch noch irgendwie sein eigenes Weihnachtskonzert. Gott mit Dir, Du Land der Bayern.

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