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Advent, Advent: Türen der Stadt:Lichterketten im Backstage-Bereich

Marija Schwepper

Wahrsagerin Marija Schwepper: Braucht kein esoterisches Handwerkszeug.

(Foto: Foto: Jörg Buschmann)

Advent, Advent: Türen der Stadt (5): Blick in die Zukunft

Hellseherin Schwepper blickt in die Zukunft: Kein gleißendes Licht, keine geheimnisvollen Nebelschwaden, nichts deutet darauf hin, dass hinter der Tür zu dem Einfamilienhaus in Untermenzing die Zukunft wartet. Stattdessen öffnet ein junger Mann die Tür: "Meine Mutter kommt gleich."

Marija Schwepper gilt in Boulevardblättern als "beste Hellseherin Deutschlands", "Trefferquote 100 Prozent". Doch für großes Brimborium hat sie wenig übrig. Nicht einmal eine Kristallkugel liegt auf dem wuchtigen Schreibtisch, keine Tarotkarten oder anderes esoterisches Handwerkszeug. "Brauche ich alles nicht", sagt die resolute Dame, die sich von "all den Scharlatanen in der Branche" distanziert. Schwepper sieht einfach die Zukunft. Sagt sie. Gott spreche durch sie, erklärt Schwepper, deren Wohnzimmer mit Bildern von der Gottesmutter und Engeln dekoriert ist. "Vom Teufel hab' ich es nicht."

Schwepper in Trance

Dass sie eine Gabe habe, sei ihr aufgefallen, als die Kunden, die sie in ihrem Kosmetikunternehmen betreute, irgendwann nicht mehr wegen der Nägel kamen, sondern weil sie etwas wissen wollten. Das einzige, was Schwepper für eine Weissagung von ihrem Gegenüber braucht, ist das Geburtsdatum - das sei ihr Schlüssel, der aber nichts mit Astrologie zu tun habe. Fragen will sie keine hören, "ich sehe schon, was die Menschen wissen wollen", erklärt sie. Dann schließen sich die grünen Augen, Marija Schwepper gerät in Trance, und wartet auf die Bilder, kurze Fetzen eines Films: Erst die Vergangenheit, dann die Gegenwart und schließlich die Zukunft.

In einer Fernsehsendung in Saarbrücken habe sie prophezeit, dass es innerhalb eines Tages einen Brand mit einem Toten geben werde, "keine 24 Stunden später hat es bei Villeroy & Boch gebrannt - ein Mensch starb". Egal, ob Wirtschaftskrise, Euro-Einführung, Lady Dianas Unglück, das sich als schwarzer Schleier über dem Königshaus ankündigte, oder das erste Treffen von Reagan und Gorbatschow - Schwepper wusste vorher, was geschieht.

Und wenn das Pentagon denn einmal nachfragen würde, wo sich Osama bin Laden aufhält, hätte die gebürtige Kroatin auch da die Antwort. Sogar Mordfälle habe sie aufgeklärt, erzählt die Wahrsagerin, denn dass die Polizei oder Angehörige sich bei ihr meldeten, um Vermisste oder Täter zu finden, komme durchaus häufiger vor.

Gute Werbung durch Springer-Presse

Für Zweifel an ihren Fähigkeiten hat Schwepper wenig Verständnis. "Sie können ja alles nachlesen." Seit die gelernte Kosmetikerin vor 28 Jahren mit der Hellseherei begann, taucht ihr Name immer wieder in den Medien auf. "Diese Frau weiß alles über Sie", heißt die Schlagzeile auf einem Zeitungsausriss aus früheren Jahren, der gerahmt neben dem Schreibtisch im Wohnzimmer hängt.

Weil die zweifache Mutter ihre Gabe auch am Telefon ausüben kann, ist sie vor allem durch groß plakatierte Leseraktionen für den Springer-Verlag bekannt geworden. Damit verdiene sie zwar kein Geld, sagt Schwepper, aber es ist eine gute Werbung für die Privataudienz in Untermenzing.

Viele Prominente sollen schon auf dem Stuhl vor dem Schreibtisch mit den Engelsköpfen gesessen haben, um sich über das Glück ihrer Ehe oder die Chancen im Beruf zu erkundigen. Links neben dem Tisch hängt die Preisliste: 400 Euro kostet die "Lebensberatung" in privaten Angelegenheiten, 800 Euro verlangt Schwepper für lukrativen Rat zu wirtschaftlichen Themen. Der dürfte in der Finanzkrise besonders gefragt sein. Doch Aufbauendes sieht die Hellseherin dazu nicht: "Die Krise wird noch viel schlimmer."

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