Musical der Theaterakademie August EverdingDie Addams: Eine schrecklich normale Familie

Lesezeit: 2 Min.

Die Studierenden der Bayerischen Theaterakademie August Everding beweisen einmal mehr, dass ein Musical keine großen Namen braucht, um zu begeistern.
Die Studierenden der Bayerischen Theaterakademie August Everding beweisen einmal mehr, dass ein Musical keine großen Namen braucht, um zu begeistern. (Foto: Schoeneck)

Wenn farblos gekleidete Exzentriker auf knallbunte Spießer treffen, geraten Gewissheiten ins Wanken. „The Addams Family“ zeigt, wie dehnbar das Wort „normal“ ist. Ein schaurig-vergnüglicher Abend, perfekt für den „Totenmonat“ November.

Kritik von Constanze Baumann

Spinnweben über den Kronleuchtern, flackernde Kerzen, gespenstisch blaues Licht. Schon das Foyer und der Gartensaal im Prinzregententheater sind Teil der Inszenierung. Noch bevor das Stück losgeht, empfängt die Addams-Familie das Publikum bei der Pre-Show: Sie singen die Titelmelodie, während am Schminktisch beobachtet werden kann, wie die letzten Handgriffe getätigt werden. Die Gäste sind längst integriert in die düstere Welt: Viele sind in Schwarz gekommen, andere tragen Zöpfe wie Wednesday, ein Kind hat ein „eiskaltes Händchen“ auf der Schulter.

Andrew Lippas Musical über die amerikanische Kultfamilie Addams, 2010 am Broadway uraufgeführt und dort mehr als 700 Mal gespielt, ist nun in München zu sehen, inszeniert von Studierenden der Bayerischen Theaterakademie August Everding.

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Das Bühnenbild bleibt bewusst schlicht; ein großes weißes Tuch dient für Schattenspiele. Doch das reicht, um das Publikum in die Geschichte zu ziehen. Im Zentrum steht ein Gefühl, das viele kennen: die Nervosität, wenn der Partner oder die Partnerin die eigenen Eltern kennenlernen soll. Wednesday, gespielt von Melanie Maderegger, befürchtet, ihre exzentrische Familie könnte bei den spießbürgerlichen Eltern ihres Freundes Lucas Beineke (Christian Sattler) schlecht ankommen.

„Bitte, können wir nicht eine durchschnittliche Familie sein! Eine normale Nacht, das ist alles, was ich will“, singt sie. Denn ihre Familie ist alles andere als „normal“. Sie wohnen in einer verfallenen viktorianischen Villa, lieben Schwarz, den Tod und Spaziergänge über den Friedhof.

Auch Lucas bittet seine Eltern, sich „normal“ zu verhalten und keine peinliche Jugendsprache zu verwenden. Doch die halten starr an Ordnung und Konventionen fest. Und die Eltern von Wednesday lassen sich ebenfalls nicht davon abhalten, ihre makabren Rituale und skurrilen Eigenheiten auszuleben. So folgt Eklat auf Eklat, und das Abendessen gerät schnell zum Desaster.

Das Gegenteil der Addams-Familie: die traditionellen Beinekes.
Das Gegenteil der Addams-Familie: die traditionellen Beinekes. (Foto: Schoeneck)

Erfunden hat die schrulligen Figuren Charles Addams, ein Cartoonist mit Vorliebe fürs Morbide, der auf einem Tierfriedhof heiratete, in den 1930er-Jahren für The New Yorker. Seitdem zogen seine Addams durch Sitcoms, Zeichentrickserien, Filme, Videospiele und Bücher. Tim Burtons „Wednesday“ mit Jenna Ortega löste 2022 erneut einen Hype aus – es ist die erfolgreichste englischsprachige Netflix-Serie aller Zeiten.

Tochter Wednesday hat sich verliebt und trägt jetzt Knallgelb.
Tochter Wednesday hat sich verliebt und trägt jetzt Knallgelb. (Foto: Schoeneck)

In der Musical-Version versöhnen sich am Ende alle: Die Beinekes verabschieden sich vom Spießbürgertum und erkennen, wie sehr ihnen das kleine Stück Verrücktheit gefehlt hat. Ganz im Geiste dieser Freude an der Abweichung bricht die Inszenierung – mit abstrahierten Kostümen, reduziertem Bühnenbild und einem ausgefallenen Rahmenprogramm – selbst aus den gewohnten Bahnen. Ein Abend voller Humor, Wortwitz und Satire – trotz düsterer Ästhetik.

The Addams Family, Prinzregententheater München, Prinzregentenplatz 12, nächste Termine: 19. bis 22. November; Tickets und Informationen unter www.theaterakademie.de

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