Urlaub in München Achtbettzimmer oder 20000-Euro-Suite?

So ein Frühstück gibt es nur in einem Hotel wie dem Vier Jahreszeiten.

(Foto: PR)

Zwischen einem günstigen Hostel und einem Fünf-Sterne-Haus gibt es gewaltige Unterschiede. Ein Besuch in zwei Welten.

Von Franz Kotteder

Morgens um fünf ist die Welt eher so lala. Im Smart Stay Hostel an der Mozartstraße 4, gleich beim Goetheplatz, schleicht der Nachtportier eine Stunde vor seinem Schichtende in den ersten Stock hinauf und sperrt die Gemeinschaftsküche für die ganz frühen Gäste auf. Die können sich dann hier ihr Frühstück machen, wenn sie nicht aufs Büffet unten im Frühstücksraum warten wollen oder können, denn das wird erst um sieben Uhr eröffnet. Die Gemeinschaftsküche dürfen die Gäste des Hauses den ganzen Tag über benutzen, bis 22 Uhr abends, dann wird sie wieder abgesperrt. Die im Kühlschrank gelagerten Sachen sind dann in Sicherheit, aber geklaut wird hier sowieso selten was: Man hält zusammen.

Die Gemeinschaftsküche ist, wenn man so will, ein klarer Vorteil des Hostels gegenüber dem Fünf-Sterne-Haus. Denn im Hotel Vier Jahreszeiten an der Maximilianstraße hat man so etwas nicht. Nun gut, in der Ludwigsuite - Kostenpunkt 20 000 Euro die Nacht - ist auch eine Küche eingebaut, klar. Aber interessante Bekanntschaften aus fremden Ländern wird man dort aller Wahrscheinlichkeit nach nicht machen.

Kommt nicht teuer: Gemeinschaftsküche im Smart Stay Hostel beim Goetheplatz.

(Foto: Robert Haas)

Morgens um fünf beginnt im Vier Jahreszeiten aber so langsam das Leben. Der Nachtkoch ist zwar, wie sein Titel schon sagt, die ganze Nacht über da und macht dann schon auch mal um drei Uhr Eggs Benedict, wenn die einer auf der Room-Service-Karte entdeckt hat und Lust darauf verspürt. Das Vier Jahreszeiten ist das einzige Hotel der Stadt, das sich den Luxus eines Nachtkochs leistet. Früher hat das die Rezeption mit erledigt. "Es wird tatsächlich öfter zu Nachtzeiten etwas bestellt, als man glauben würde", sagt Christopher Engel, als "Executive Chief" der oberste Küchendirektor des Hotels: "Die Leute kommen oft sehr früh vom Flughafen oder müssen früh abreisen, dann lassen sie sich eben etwas aufs Zimmer liefern, und wenn es nur ein Obstteller ist."

Der Nachtkoch ist jedenfalls nie ohne Beschäftigung, denn zur Not hilft er auch bei der Frühstücksvorbereitung. Um fünf Uhr rückt die erste Schicht der 44 Köche an und bereitet alles frisch zu, presst Früchte für zehn bis 15 Liter frischen Saft aus, bäckt Croissants, schneidet Schinken auf. So nach und nach kommen dann auch die Lieferwagen zum Wareneingang und bringen all das, was ein Fünf-Sterne-Haus den Tag über frisch braucht. Kommt eine Lieferung nicht an, muss Einkaufsleiter Sinan Yaman schnell reagieren und Ersatz besorgen. So etwas grenzt dann bisweilen auch mal an Zauberei, bei seltenen Waren.

Macht was her: Empfangschefin Bettina Moosbauer und Küchendirektor Christopher Engel in der Lobby des Vier Jahreszeiten.

(Foto: Robert Haas)

Da tut man sich im Smart Stay Hostel natürlich etwas leichter. Um sieben Uhr früh öffnet der Frühstücksraum, bis dahin muss das Büffet aufgebaut sein. Bis elf Uhr haben die Gäste aus den 62 Zimmern dann Zeit, sich zu bedienen. Die letzten haben ihr Zimmer dann längst geräumt, denn Check-out ist bereits um zehn Uhr, dann kommt die externe Putztruppe und macht die Zimmer fertig für neue Übernachtungen. Knapp vier Stunden hat sie dafür Zeit, um 14 Uhr kommen die neuen Gäste.

Insgesamt beschäftigt das Hostel je nach Saison 13 bis 15 Mitarbeiter. Es gibt drei Einzel- und acht Doppelzimmer, der Rest sind Vier-, Sechs- und Achtbettzimmer. Alle Räume haben ein eigenes Bad, und der Tresor besteht aus einem Vorhängeschloss, mit dem man eine Schublade unter dem Bett abschließen kann. "Der sechste Stock ganz oben ist für Mitarbeiterzimmer reserviert", sagt Marketingchefin Mirjana Scholz, "das hilft uns, Mitarbeiter zu bekommen und zu halten auf dem teuren Münchner Wohnungsmarkt."

Wenn an der Mozartstraße um sieben Uhr der Frühstücksraum aufgesperrt wird, dann öffnet an der Maximilianstraße auch die hauseigene Wäscherei. Die ist dann den ganzen Tag über gut damit beschäftigt, die Bettwäsche aus den 306 Zimmern des Hauses, Bad- und Tischwäsche und die Kleidung der Gäste zu waschen. Die meisten anderen der insgesamt gut 370 Mitarbeiter des Hauses haben erst eine Stunde später Dienstantritt - abgesehen von denen mit Schichtdienst, versteht sich. Dann schwärmen so langsam die 60 Zimmermädchen, Room Supervisors und Hausdamen aus, um Zimmer und Flure zu reinigen. Die Führungskräfte treffen sich derweil zu den morgendlichen Meetings. Hanno Barkhoff, der stellvertretende Direktor, macht erst einmal eine Runde durchs Haus, "danach besprechen wir, was tagsüber alles so ansteht - Anreisen von VIPs, die beispielsweise über die Tiefgarage anreisen wollen, größere Gruppen, die später anreisen, und dergleichen".

Es ist nämlich keineswegs so, dass sich in einem Luxushotel wie dem Vier Jahreszeiten alles perfekt planen lässt, bloß weil es praktisch keine Laufkundschaft gibt. Bettina Moosbauer, die Empfangschefin, lacht, wenn man sie darauf anspricht, und erzählt von Gruppen, die häufig sehr früh morgens ankommen, weil der Interkontinentalflug eben über Nacht ging. Gibt es auch anstrengende Gäste? "Nein. Wir verlangen ja einen Preis, der gewisse Erwartungen schürt, da ist es völlig in Ordnung, wenn man diese Erwartungen auch erfüllt haben mag." Und überhaupt: "Den Satz: ,Naa, tut mir leid', gibt's sowieso ned!"

Blick in die Lobby-Bar des Hostels.

(Foto: Robert Haas)

Moosbauer ist nämlich auch mit einem prachtvollen Bairisch gesegnet und kann als eine der wenigen in der recht internationalen Belegschaft des Hauses, das ja zur weltweiten Kempinski-Gruppe gehört, das hauseigene Motto, wenn Not am Mann ist: "Zsamma einihaun!", fehler- und akzentfrei aussprechen. Zusammenhelfen muss man öfters mal, und es gibt auch heikle Situationen zu lösen. Da gab es einmal den Schlafwandler, der nachts splitternackt durch den Innenhof wandelte: "Den mussten wir mit einem Bademantel einfangen und auf sein Zimmer bringen."

Polizei mit Suchhunden, die vor dem Besuch ausländischer Staatsgäste die Suiten kontrolliert, anspruchsvolle Groß-Delegationen von der arabischen Halbinsel, die von einem Tag auf den anderen anreisen, innerhalb von zwei Stunden ein Büffet für 35 Gäste wollen sowie 24-Stunden-Butler-Service für jeden: Das sind Probleme, mit denen man sich in einem Hostel nicht herumschlagen muss. Dort hat man es dann doch mit einem überwiegend jungen Publikum zu tun, Schülern auf Klassenfahrten, Studenten mit Rucksack. Aber es gibt durchaus auch Geschäftsleute, die Messen besuchen, sagt Mirjana Scholz. Das Bett kostet derzeit zwischen 14,90 Euro im Achterzimmer bis zu 52,20 Euro im Einzelzimmer. Sicher, der Luxus ist dabei überschaubar. Es gibt eine Lobby und eine Bar, in der die Halbe Bier zur Happy Hour nur 1,90 Euro kostet, es gibt einen Kicker im Keller und einen leicht abgewetzten Billardtisch im Foyer. Und statt des Limousinenservice wie im Vier Jahreszeiten hat man nur einen Fahrradverleih anzubieten.

Aber die Rezeption, die ist auch im Smart Stay Hostel 24 Stunden lang besetzt. Antonio Cirrincione steht dort am Tresen. Er arbeitet seit zwei Jahren im Hostel, im Oktober will er aber weiterziehen nach Australien, wo er vor vier Jahren schon einmal gearbeitet hat. Er beherrscht, logisch, Italienisch und Deutsch, aber auch Spanisch und Englisch sowie Gebärdensprache: "Das hat mir letztes Jahr sehr geholfen, als ein Franzose eincheckte, der das auch konnte. Wir sprachen kein Wort, aber alles lief völlig problemlos", berichtet er.

Diskretion ist oberste Pflicht für einen Concierge. Ein Gast wollte mal eine lebendige Kuh kaufen.

(Foto: Robert Haas)

Keine Probleme, dafür ist auch Cirrinciones Landsmann Massimo Francucci zuständig. Seit 31 Jahren ist er Concierge im Vier Jahreszeiten, und er sagt: "Ich lebe in einer Art Symbiose mit dem Haus." Etwa zweimal am Tag hat er mit Sonderwünschen zu tun. "Die erfüllen wir, wenn es irgendwie machbar ist", sagt er. Das ist oft genug eine tägliche Herausforderung, für die er seinen Job aber auch liebt: "Je schwerer die Aufgabe, desto mehr reizt sie mich." Namen nennt er keine, Gott bewahre! Diskretion ist oberste Pflicht für einen Concierge. Ein Gast wollte mal eine lebendige Kuh kaufen, ein anderer einen fahrbaren Stromgenerator eines älteren Modells, den Francucci dann in Amsterdam auftreiben konnte. Ein anderer wünschte sich einen "BMW für Kinder" und musste erst per Telefonkonferenz überzeugt werden, dass die Münchner Autobauer so etwas nicht herstellen. Er wich dann aus auf acht Smart-Modelle in acht verschiedenen Farben.

Das sind so die Dinge, mit denen man sicher nur in Luxushotels zu tun bekommt, niemals aber in Hostels. Und dennoch gibt es einen großen Gleichmacher. Auf die Frage nach der aufreibendsten Zeit des Jahres lautet die Antwort nämlich hier wie dort: "Das Oktoberfest!"

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