Süddeutsche Zeitung

AC/DC im Olympiastadion:Es kracht in München

Lesezeit: 2 min

Die Hardrocker von AC/DC spielen am Sonntag ihr erstes von zwei Münchner Konzerten. Erste Eindrücke aus dem bebenden Olympiastadion.

Kurzkritik von Michael Zirnstein

Das ist eine Kurzkritik von Sonntagabend, die ausführliche SZ-Kritik zum AC/DC-Konzert in München lesen Sie hier.

AC/DC, die Spannung steigt, nervöses Knistern, Wechselstrom/Gleichstrom, verträgt sich das mit Wasser? Der erste längere Regenguss ist schon durch, aber zwei Minuten vor Konzertbeginn – pünktlich um drei Minuten nach halb neun - stülpen Tausende in der Arena und auf der Osttribüne des Olympiastadions die Regenponchos über. Immerhin kein Gewitter, die einzigen Blitze sind im Logo der australischen Band auf der Leinwand zu sehen. Im schön gespenstischen Licht leuchten Tausende Teufelsöhrchen auf den Köpfen der Fans, rot, wie der Sportwagen im Intro auf den zwei LED-Schirmen.

In tief himmelblauem Samt, kurze Hosen natürlich, tippelt ein weißhaariges Männlein auf die Bühne. Jedes Tröpfeln wird von einem heißen Solo von Angus Young trocken geföhnt. Dazu singt Brian Johnson, der ewige Schiebermützen-Pub-Keifer, „If You Want Blood, You’ve Got It“. Geballte Faust, Hulk-Bizeps-Pose, muskulöser Auftakt vor 66 000 Fans beim ersten von zwei ausverkauften Konzerten in München. Brian Johnson verspricht: „Wir werden heute Spaß haben – im München-Style.“

Und wenn München heute einen Stil hat, dann ist der schwarz. „Back in Black“ - AC/DC holen gleich den Hammer aus dem gleichnamigen Album von 1980 raus, dem erfolgreichsten Album einer Band in der Rock-Geschichte, dem ersten, bei dem Johnson für den im Suff krepierten Bon Scott übernommen hatte. Sie können es immer noch: „Demon Fire“ ist eine der Singles des aktuellen Albums von 2020, dann „Power Up“, so auch der Name der ersten Tour seit acht Jahren. Es geht darin um einen üblen Kerl, „großgezogen von einem Schakal, als übler Samen“ in die Welt gebracht.

Natürlich sind die älteren Herren auf der Bühne eigentlich nette Kerle, aber ein bisschen Satansanbetung, ein bisschen halbstark, ein bisschen Kinder- und Frauenschreck - München spielt das Hardrock-Spiel heute nur allzu gerne mit. „Thunder, Thunder, Thunder“ donnert es dann nur aus den Lautsprechern. 48 Marshall-Boxen haben AC/DC hinter sich aufgetürmt.

Oberbürgermeister Reiter kannte die Tourpläne vorab

Mit dem ersten von zwei Konzerten im Olympiastadion sind AC/DC endlich da angelangt, wo alles begann. Natürlich nicht ihre sagenhafte Karriere, die die beiden in Schottland geborenen Brüder Malcom und Angus Young an Silvester 1973 im Chequeurs Nightclub in Sydney, Australien starteten. Aber diese aktuelle „Power Up“-Tour erblickte in München das Licht der Öffentlichkeit, sozusagen. Denn hier wurde quasi amtlich festgestellt, was die Hardcore-Hardrock-Fans schon lange herbeigesehnt hatten: AC/DC würden auf Welttournee gehen und zum ersten Mal nach acht Jahren auch wieder nach Deutschland kommen.

Das zumindest war den Worten des bereits in die Pläne des Olympiaparks eingeweihten Oberbürgermeisters Dieter Reiter bei einer Stadtratssitzung zum EM-Fanfest zu entnehmen: Wenn Ed Sheeran auf der Münchner Theresienwiese spiele, werde er am 12. Juni als Rock-Fan lieber ins Olympiastadion zu AC/DC gehen. Damit war es in der Welt, Branchen-Magazine wie Rolling Stones oder Metal Hammer berichteten groß.

Mit dem Auftakt zu den Deutschland-Konzerten in Gelsenkirchen (nach München folgen noch Dresden, 16./19. Juni, Hockenheim, 13. Juli, Stuttgart, 17. Juli, Nürnberg, 27. Juli, Hannover, 31. Juli und 4. August) machten die Hardrock-Herren dann wieder musikalisch Schlagzeilen. Sie spielten 23 Stücke und endeten explosiv mit „T.N.T.“.

SZ-Reporter Jakob Biazza freute sich in Gelsenkirchen über einen „grandiosen Auftritt“: „Rock-Essenz, dreifach destilliert, das ganz reine Zeug“. Kurz: „Die Urmasse“. Zu der gehört außer dem einzig verbliebenen Ur-Mitglied Angus Young, 69 Jahre alt, nach Besserung seines Gehörs auch wieder der ewige „Neue“ Brian Johnson, 76 Jahre, als Sänger dazu, sowie Stevie Young, der seit 2014 seinen an Demenz erkrankten und 2017 verstorbenen Onkel Malcom an der Rhythmusgitarre vertritt, Matt Laug am Schlagzeug und Chris Chaney am Bass.

Eine ausführliche Kritik des Konzerts lesen Sie hier.

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