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Abschiedsfeste für Politiker:Der Fall Kreidl trübt die Feierlaune

Der Dachauer Landrat Hansjörg Christmann möchte zum Abschied nichts falsch machen.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Das üppige Sparkassen-Sponsoring für den Miesbacher CSU-Politiker Jakob Kreidl hat Folgen: In Dachau wird das Abschiedsfest für Bayerns dienstältesten Landrat überprüft. Auch im Münchner Rathaus, wo Christian Udes Verabschiedung ansteht, ist man sensibilisiert.

Der Dachauer Landrat Hansjörg Christmann (CSU) freute sich nach 37 Jahren Amtszeit auf ein Abschiedsfest von großem Gepränge. Doch nach der Affäre um den Miesbacher Landrat Jakob Kreidl (CSU) ist die Feierlaune erst einmal getrübt. Denn die Kosten der Christmann-Fete in der ehemaligen Sommerresidenz der Wittelsbacher - um die 42.000 Euro - wollte die Sparkasse Dachau zur Hälfte übernehmen.

Das erinnert fatal an Kreidl, der sich von der örtlichen Sparkasse eine opulente Geburtstagsfeier mit 77.000 Euro sponsern ließ und damit der CSU den Kommunalwahlkampf gründlich verhagelt hat. Landrat Christmann trat sofort den Rückzug an und überlässt jetzt dem Kreistag die Entscheidung über den geplanten Festakt.

"Ich habe meine Geburtstagsfeiern von Haus aus selbst bezahlt. Ich lasse mir auch zu meinem Abschied nichts nachsagen", erklärte Christmann jetzt unter dem Eindruck der Kreidl-Affäre. Doch die Planung seiner Fete läuft seit Dezember und die Kreisräte hätten offenbar nichts mitzureden gehabt, wäre nicht eine Anfrage der Grünen-Fraktion dazwischen gekommen.

Pompöse Feier des Dachauer Altbürgermeisters

"Wir haben lediglich eine Einladung bekommen, sind aber nie über die Kosten informiert worden", sagt Fraktionssprecherin Marese Hoffmann. Nicht einmal in den Haushaltsberatungen, in die das Thema ihrer Ansicht nach gehört hätte. "Da wird der Eindruck erweckt, die da oben können es sich mit unserem Geld persönlich gut gehen lassen", warnt Hoffmann.

Noch gut erinnern sich manche Dachauer an die pompöse Feier des Altbürgermeisters Lorenz Reitmeier (parteifrei) auf dem Schlossberg im Jahr 1995. Zu dessen 65. Geburtstag gab es einen Empfang, einen Star-Tenor und eine Gratulantenreihe wie bei Ministerpräsidenten üblich. Das Fest für 300 Gäste soll 100.000 Mark gekostet haben, bezahlt hat die Stadt.

Ein Geburtstag wie im Miesbacher Fall, sagt der Dachauer Sparkassensprecher Arthur Fischer, sei eine private Angelegenheit. Das könne nicht mit dem Abschied von Christmann, der seit 37 Jahren auch Verwaltungsratsvorsitzender des Kreditinstituts ist, gleichgesetzt werden. Zudem seien die Kosten "weitaus bescheidener".

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Die Kreidl-Affäre ist den Sparkassen spürbar unangenehm. Josef Bittscheidt, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg, distanzierte sich auf einer Bilanzpressekonferenz von den Miesbachern: "Jeder muss ein Gespür entwickeln für sich, was passend ist und was nicht." Sein Institut sei eher knauserig, wenn's um runde Geburtstage von Verwaltungsratsmitgliedern gehe. Prosecco zur Begrüßung und die kostenlose Überlassung von Räumen und Service reichten.

Nur bei der Verabschiedung des Ebersberger Landrats Gottlieb Fauth (CSU) gab es 2006 einen größeren vierstelligen Betrag, wie Bittscheidt sagte. Für einen Gratulationsempfang könne er sich schon einmal vorstellen, 10.000 Euro zu geben. Ein eigenes Regelwerk für solche Anlässe lehnen Bittscheidt und Fischer ab. Das müsse jedes Institut für sich selbst entscheiden.

In Freising und im Landkreis München müssen sich die Sparkassen den Kopf darüber nicht zerbrechen. Der Freisinger Landrat Michael Schwaiger (Freie Wähler) tritt nach sechs Jahren nicht mehr an und plant, wie erklärt wurde, nichts Größeres. Wenn doch, dann in einem für den Landkreis kostengünstigen Rahmen. Auch Johanna Rumschöttel (SPD) kandidiert nach sechs Jahren nicht mehr als Landrätin für den Kreis München. Das Landratsamt plane keine Abschiedsfeier, hieß es.

Beim Abschied von Christian Ude zahlt allein die Stadt

Für den Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) wird es nach 21 Jahren im Amt gleich mehrere Abschiedsrunden geben. An seinem letzten Arbeitstag, am 30. April, wird er "ohne allen Aufwand" mit dem Mikro in der Hand am Marienplatz den Münchner "Pfia Gott" sagen, wie Ude berichtet. Eine große Feier für 1300 Gäste richtet die Stadt am 16. Mai im Deutschen Theater aus.

Noch steht nicht einmal fest, ob es bei dem Fest etwas zu essen geben wird. "Das entscheidet der Ältestenrat nach der Wahl", erläutert Ude - schließlich müsse der neue OB die Feier veranstalten. Der Fall Kreidl hat durchaus auch in München Auswirkungen: Die Protokollabteilung hat sich laut Ude schon genauestens kundig gemacht, um auf der sicheren Seite zu sein. Zahlen werde allein die Stadt. Anders hingegen sieht es bei der Party aus, die Udes Künstlerfreunde für ihn in der Muffathalle organisieren wollen. "Das ist rein privat", sagt Ude, Näheres wisse er noch nicht.

Die Sparkasse Dachau rechnet mit der Zustimmung des Kreistags zur geplanten Feier für Hansjörg Christmann: "Wir haben keinen Plan B", sagt Sprecher Fischer. Der wird wohl auch nicht nötig sein.

Die CSU stellt die stärkste Fraktion in dem Gremium - und die anderen haben signalisiert, dass sie den Landrat nicht um einen würdigen Abschied bringen wollen. Auch nicht die Grünen. So dürfte der 66-Jährige, Bayerns dienstältester Landrat, am 29. April 500 Festgäste im Renaissance-Festsaal zum Abschiedsakt empfangen.

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