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Absage der "Pin-Party":Geld für Hygiene, keines für die Kunst

14. PIN-Party in München, 2016

Die Party wird ausfallen, die Pin-Auktion findet online statt.

(Foto: Catherina Hess)

Die Benefiz-Auktion der Pin-Freunde kann nur im Netz stattfinden. Wenn sie floppt, droht der Pinakothek doppeltes Desaster

Von Evelyn Vogel

Dass die Pin-Party und damit eines der größten kulturellen Gesellschaftsereignisse des Jahres in München ausfallen würde, zeichnete sich schon länger ab. Nun zwingt die Corona-Pandemie erneut viele Teile des öffentlichen Lebens in die Knie, auch die Museen. Doch mit dem Schlachtruf "Jetzt erst recht!" wollen die Pin-Freunde die traditionelle Benefizauktion trotz Lockdowns retten und haben sie ins Digitale verlegt. Das diesjährige Pin-Motto "Das ganze Leben ist eine Kunst" kann man auch als "Das Überleben der Kunst ist eine Kunst" interpretieren.

Das klingt dramatisch. Und das ist es auch. Denn, so schreiben die Pin-Freunde in ihrer Ankündigung für die Auktion: "Hilfe und Solidarität für die Kunst sind jetzt wichtiger denn je: Corona hat den Museen einen gewaltigen Besuchereinbruch beschert. Sie stehen vor leeren Kassen, Haushaltssperren und Ausstellungsabsagen. Lang geplante Projekte sind auf Eis gelegt. Vielen Galerien geht es ähnlich. Wenn Museen und Galerien leiden, dann geraten KünstlerInnen in Not. So kommt eine ganze Branche in Existenzgefahr - und ohne Kultur ist die Welt nicht lebenswert."

Schon bislang haben die Pin-Freunde mit ihrer Auktion Jahr für Jahr bis zu einer Million Euro erlöst, um die vier Häuser unter dem Dach der Pinakothek der Moderne - Sammlung Moderne Kunst der Staatsgemäldesammlungen, Graphische Sammlung, Architekturmuseum und Neue Sammlung, also das Designmuseum - sowie das Museum Brandhorst zu unterstützen. Ohne diese Gelder hätten viele Kunstwerke nicht angekauft werden können, denn der Etat vieler Sammlungen ist mehr als bescheiden. Zahlreiche Ausstellungen wären nicht finanzierbar gewesen, denn Leihgebühren, Kosten für Versicherungen und Transporte sind in den vergangenen Jahren immens gestiegen. Und viele Programme der Kunstvermittlung wären ohne die Finanzierung durch Förderer wie Pin schlichtweg nicht machbar.

Dass die Museen in diesem Jahr wegen der Corona-Einschränkungen einen eklatanten Besucherrückgang verzeichnen mussten, ist evident. Es fehlten nicht nur die ausländischen Gäste, es fehlten auch die Besuchergruppen, die oft mit Bussen ankamen, und die zahlreichen Kunstinteressierten, die mit Hilfe vieler Führungen durch die Museen geschleust wurden. Zusätzlich waren enorme Ausgaben für Hygienekonzepte entstanden. Auch wenn die Museen im Mai nach einem verhältnismäßig nur kurzen ersten Lockdown wieder öffnen durften, sind die Kassen leer. Und schon jetzt ist absehbar, dass wegen der enormen Kosten für die Corona-Pandemie ein Ausgabenstopp im Kulturbereich droht. Auch deshalb gibt sich Dorothee Wahl vom Pin-Vorstand, kämpferisch: "Wir haben mittlerweile bestimmt schon zehnmal umgeplant. Aber wir geben nicht auf!". Bis nach China versuchen die Pin-Vorstände, Galeristen und Sammler zu kontaktieren und zum Mitbieten zu motivieren. "Ein gutes Ergebnis bei der Benefizauktion ist in diesem Coronajahr notwendiger den je", weiß Wahl.

Neo Rauch

Neo Rauch ("Anpassung" von 2020) spendet seinen Anteil am Versteigerungserlös an die Bärenherz Stiftung für schwerstkranke Kinder.

(Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2020/Courtesy Galerie Eigen+Art Leipzig/Berlin, David Zwirner, New York/London/Hong Kong/Paris; Uwe Walter)

Die Ausstellung der Auktionswerke ist wegen des Lockdowns nur noch dieses Wochenende in der Pinakothek der Moderne zu sehen. Deshalb wird die Website der Pin-Freunde (www.pin-freunde.de) zusätzlich mit Bildern und Videos angereichert, in denen Künstler und Galeristen über die Werke und ihre Geschichte erzählen. "Wir werden alles tun, um auch digital ein haptisches Erlebnis zu schaffen", sagt Dorothee Wahl. Vom 1. bis 22. November findet zudem eine Online-Only-Auktion auf www.ketterer-internet-auktion.

de statt. Die Live-Auktion am 21. November wird von 20.15 Uhr an über die Website von Ketterer Kunst im Internet übertragen. Teilnehmen kann man schriftlich, online oder per Telefon. Dazu ist eine Registrierung notwendig (www.ketterer-internet-auktion.de/register.php). Die Pin-Freunde planen, potenten Sammlern eine Goodie Bag mit Champagner & Co. nach Hause zu schicken, damit auch auf dem heimischen Sofa ein wenig Partystimmung aufkommen kann. Wer nur neugierig ist, muss sich seinen Champagner zwar selbst kaufen, kann aber per Live-Stream zuschauen (www.kettererkunstlive.de).

Derzeit wird mit Recht viel geklagt, dass der in der bayerischen Verfassung verankerte Kulturstaat der Pandemie geopfert wird, weil Theater, Konzerthäuser, Kinos und Museen in eine Reihe mit Spielhallen und Bordellen, Spaßbädern und Zoos gestellt werden. Die Pin-Freunde appellieren an alle kunstsinnigen Menschen, sich für den Erhalt von Kunst und Kultur in Bayern einzusetzen, indem sie bei der Benefizauktion mitsteigern. Die Künstler werden direkt am Auktionserlös beteiligt. Etliche verzichten jedoch darauf und spenden, wie Neo Rauch und Rosa Loy, ihre Anteile an soziale Projekte oder lassen sie, wie Georg Baselitz, in vollem Umfang den Museen zukommen.

© SZ vom 31.10.2020
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