Abriss des Zentralbereichs Shoppen bis zum Abheben

Einkaufs- und Freizeitparadies Flughafen: Einem geheimen Architektur-Wettbewerb zufolge, steht dem Terminal 1 am Münchner Airport ein gewaltiger Umbau bevor.

Von Dominik Hutter

Am Flughafen gibt es Ideen, den derzeit eher beschaulichen Zentralbereich langfristig durch ein großes Einkaufs- und Bürozentrum zu ersetzen.

Mit dem Neubau, für den bereits Anregungen aus einem Architektenwettbewerb vorliegen, würde sich das Laden- und Gastronomieangebot im Erdinger Moos verdoppeln. Im Gespräch sind zudem ein weiteres Hotel, eine Erweiterung von Terminal 1 und zahlreiche zusätzliche Parkplätze.

Gut 31 000 Quadratmeter Läden und Gaststätten gibt es aktuell auf dem Flughafenareal, im Fachjargon "Retailflächen". Ein Geschäftsfeld, das für den Flughafen immer wichtiger wird: Die Betreibergesellschaft FMG erzielt bereits knapp die Hälfte ihres Umsatzes im sogenannten Non-Aviation-Bereich - aus der Miete für Ladenzeilen, Restaurants, Büros sowie das Airport-Hotel, aber auch über Parkgebühren und diverse Eintrittsgelder wie etwa im Besucherpark.

Das Modell vom Flughafen als Einkaufs- und Freizeitparadies ist allerdings jünger als der Airport selbst. Das zum ersten Bauabschnitt zählende Terminal 1, dessen Architekten noch dem Ideal der klassischen Verkehrsstation frönten, gilt inzwischen als verbesserungsbedürftig.

Der Flughafen hat deshalb 2006 unter größter Geheimhaltung einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Thema: Wie könnte eine städtebaulich verträgliche Lösung aussehen, die bei laufendem Betrieb peu à peu nachgerüstet wird?

Die Architekten sollten sowohl über den Bau eines neuen Büro- und Einkaufszentrums als auch über eine Erweiterung des Parkplatzangebots und ein zusätzliches Hotel der Vier- oder Fünf-Sterne-Kategorie nachdenken. Alles im Bereich zwischen Terminal 1 und dem München Airport Center.

Der heutige Zentralbereich, also die langgestreckte Halle direkt über dem S-Bahnhof, müsste dafür wohl ebenso abgebrochen werden wie die Bürobauten Nord und Süd. Einige Entwürfe empfehlen auch die Beseitigung der längst zu klein gewordenen Parkhäuser.

Sieger des Wettbewerbs, wenn auch "nur" mit zwei zweiten Preisen, wurden die Architektenbüros JSWD aus Köln sowie Sacker aus Freiburg. Beide Preisträger wollten aus Rücksicht auf ihren Auftraggeber keine Auskünfte geben.

Der SZ vorliegende Pläne zeigen jedoch in beiden Entwürfen ein großes, Mall-ähnliches Büro- und Geschäftsgebäude anstelle des heutigen Zentralbereichs. Darin: eine mehrgeschossige Verbindungsachse zwischen Terminal 1 und Airport Center. Die Geschäfte liegen, anders als der Löwenanteil der Terminal-2-Shops, außerhalb des Sicherheitsbereichs, wären also für jedermann erreichbar.

Der gläserne Riese (und bei JSWD auch die neu zu bauenden Parkhäuser) würde die bestehende Straße vor Terminal 1 unterbrechen - sie müsste zu einer Art Stichstraße oder reinen Vorfahrtszone degradiert werden. Stattdessen könnte die zweite durchgehende Verkehrsachse, die direkt am Airport Center verläuft, zu einem zentralen Flughafenboulevard mit Verkehr in beiden Richtungen aufgemotzt werden (heute gilt dort eine Einbahnregelung).

Weitere Neubauten werden anstelle der heutigen Bürogebäude Nord und Süd vorgeschlagen. Terminal 1 könnte durch einen Anbau auf gesamter Länge ergänzt werden. Die Glaskonstruktion böte zusätzlichen Platz für durcheilende Passagiere, die heute oft mit den Warteschlangen an den Check-In- und Kontrollschaltern aneinandergeraten.

Unklar welcher Entwurf umgesetzt wird

Zwar gibt es einen Stock tiefer genau für diesen Zweck einen bunt beleuchteten Gang mit Rollbändern - er wird aber, wie viele Untergeschosse, nicht besonders gut angenommen.

Konkrete Pläne, Beschlüsse oder gar einen Zeitplan gibt es noch nicht für die Umgestaltung der Zentralen Zone, betont Flughafen-Planungschef Florian Fischer. Man habe lediglich mit Hilfe eines Wettbewerbs Anregungen gesammelt, was denn überhaupt möglich sei.

Allzu rasch werde man die ehrgeizigen Ideen wohl nicht umsetzen und finanzieren können - schließlich gebe es auch noch die Pläne für die dritte Start- und Landebahn und die Erweiterung von Terminal 2 über einen Satellitenbau auf dem Vorfeld (SZ berichtete).

Ohnehin sei unklar, welcher Architektenentwurf überhaupt in Frage kommt. Man könne durchaus auch verschiedene Vorschläge miteinander mischen. "Es muss aber eine städtebaulich überzeugende Konzeption sein", erklärt Fischer.

Hintergrund der Verschwiegenheit - der Wettbewerb und auch dessen Sieger wurden bewusst geheim gehalten - dürfte die Sorge sein, im Flughafen-kritischen Umland als bauwütig oder größenwahnsinnig dazustehen. Denn dritte Piste und "Satellit" sind derzeit nicht die einzigen Erweiterungspläne im Moos.

So soll in den nächsten Jahren nahe des S-Bahnhofs Besucherpark ein neues Drei-Sterne-Hotel entstehen. Und der Ausbau des überlasteten Frachtterminals ist längst in vollem Gange.