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Abitur in Bayern:Einzug ins gelobte Land

Abiturienten des Ludwigsgymnasiums. Benedict Lang und Zoe Kornmann machen Abitur am Ludwigsgymnasium in der Fürstenriederstraße.

Notendruck und Konkurrenzdenken bestimmen seit Monaten ihr Leben, jetzt müssen sie sich ein letztes Mal in der Schule beweisen: Benedict Lang und Zoe Kornmann machen derzeit Abitur. Nur das Reproduzieren stehe auf dem Lehrplan, kritisieren die Schüler. Dabei gäbe es anderes, was sie zu gerne lernen würden.

Die Stifte sind akribisch zurechtgelegt. Auf den englischen Wörterbüchern liegen Brotdosen, die Turnhalle des Ludwigsgymnasiums in Laim ist lichtdurchflutet. Helle Holztische stehen in regelmäßigen Abständen aneinandergereiht, so dass die Lehrer, die hier die Aufsicht haben, alles im Blick haben: Für die Prüfung gibt es feste Regeln und Rituale. An Tisch Nr. 56 nimmt Zoe Kornmann Platz. Die 18-Jährige mit den langen blonden Haaren ist eine von 108 Schülern, die am Ludwigsgymnasium in der Fürstenriederstraße Abitur schreiben. Gerade steht das dritte Prüfungsfach an. Aufgeregtes Getuschel im Saal. "Die Luft ist gut", sagt Oberstufenkoordinatorin Susanne Kleber. Endlich sitzen alle 58 Prüflinge an ihren Plätzen. Pünktlich um neun geht es los. Stille.

Um 12 Uhr ist alles schon wieder vorbei, Zoe kommt über den Hof. Sie sieht müde aus, aber erleichtert. Sie setzt sich auf eine Bank im Schulhof. "Insgesamt ist es gut gelaufen", sagt Zoe. Sie habe sich für den Romantext entschieden, mit dem Sachtext habe sie wenig anfangen können. Nur der Übersetzungs-Teil habe seine Tücken gehabt. Ein Text über die Olympischen Spiele 2012.

Dann ist auch Benedict fertig. Der 17-Jährige hat gerade die Lateinprüfung hinter sich gebracht und kommt aus dem Haupteingang. Benedict Lang, ein sportlicher Typ mit kurzen Haaren, trägt einen knallgrünen Pullover. Er sieht glücklich aus. Der Lateinkurs mit nur fünf Schülern sei die ideale Vorbereitung gewesen.

Was nach einem Selbstläufer-Abitur klingt, ist der Endspurt nach zwei Jahren Zensuren-Wahnsinn. Notendruck und Konkurrenzdenken habe das Schulleben bestimmt, erzählen die beiden. Sie sitzen im Zimmer der Schülervertretung. Vor einer halben Stunde haben die beiden noch an ihren Deutsch Klausuren geschrieben. "Das Gefühl ist da, dass die Noten darüber entscheiden, wie man später sein Leben verbringt", sagt Benedict. "Die Schüler sehen nur diese Zahl und definieren sich darüber", kritisiert Zoe.

900 Punkte können im Abitur erreicht werden. 600 über die 11. und 12. Klasse, 300 durch die Abiturprüfungen. Bei der letzten Zeugnisvergabe war der Notenspiegel für alle einsehbar. Benedict wird voraussichtlich einen Abi-Schnitt von 1,6 oder 1,7 erreichen und Zoe einen Zweier-, wenn nicht sogar noch einen Einser-Durchschnitt. Der landesweite Abi-Durchschnitt liegt bei 2,3. Die Schule hat sehr viele sehr gute Schüler. "Da will man nicht abfallen, sondern mithalten", sagt Zoe.