Abgeschlossene Luxus-Wohnsiedlungen:Das Ziel: Keine Reichenghettos

Makler Detlev von Wangenheim verkauft seit 1969 Immobilien in der Stadt München. "Natürlich konzentrieren sich exklusivere Wohnungen und Häuser auf bestimmte Viertel. Da finden Sie kaum mehr Objekte, die für den Mittelstand bezahlbar wären", sagt er. In Bogenhausen, in Schwabing, im Lehel, um den Gärtnerplatz herum oder in Solln und Grünwald. Aber abgeschottete Siedlungen würden sich nicht verkaufen lassen.

Immer mehr Luxuswohnanlagen entstehen. "The Seven" wird gerade im früheren Heizkraftwerk im Glockenbachviertel gebaut - die Preise werden nicht genannt. Das Penthouse mit 700 Quadratmetern soll für 14 Millionen Euro verkauft worden sein. Neben einem Concierge-Service sind eine Kindertagesstätte sowie ein Spa- und Wellnessbereich geplant.

In den "Lenbach-Gärten" kümmert sich ebenfalls ein Concierge um Besucher und die Post sowie ums Blumengießen und Lüften im Urlaub.

Einen Pförtner gibt es auch im "Isar Stadt Palais" in der Maistraße, das von der JK Wohnbau entwickelt wurde. "Man muss den Käufern schon etwas bieten", sagt Geschäftsführer Josef Kastenberger. Neben einer hohen Bauqualität und einer anmutenden Architektur müssen auch die Lage stimmen und die Serviceleistungen. Von elitärer Abschottung will er nicht sprechen.

Trotzdem ist es aus seiner Sicht nur schwer vorstellbar, im "sehr hochpreisigen Niveau" - im "Isar Stadt Palais" zahlt man bis zu 4600 Euro pro Quadratmeter - Sozialwohnungen unterzubringen. "Das ist ein gewisser Widerspruch."

Dennoch ist die Stadt bemüht, dass keine Reichenghettos entstehen. "München ist in dieser Hinsicht vorbildlich", sagt Harlander. Es gibt eine Reihe von Instrumenten: Die städtischen Gesellschaften Gewofag und GWG besitzen 53 000 Wohnungen. Das Zweckentfremdungsverbot stellt sicher, dass Wohnraum nicht in Gewerbeimmobilien umgewandelt wird. In 14 Erhaltungssatzungsgebieten bedarf jede Veränderung einer Genehmigung. Seit 1994 gibt es den Beschluss zur sozialgerechten Bodennutzung: Grundstückseigentümer, die von neuen Baugebieten profitieren, werden finanziell an Planungskosten und Infrastrukturmaßnahmen beteiligt. Und das "Münchner Modell" schreibt vor, dass in Neubaugebieten ein Anteil von 30 Prozent an Sozialwohnungen errichtet werden muss. Auch in den exklusiven Lenbach-Gärten gibt es günstigere Wohnungen, das hatte die Stadt so vorgeschrieben. Ein Projekt für die soziale Mischung - doch auf seiner Internetseite wirbt der Betreiber Frankonia nicht damit.

© SZ vom 19.11.2011/tob
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