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Abercrombie & Fitch in München:Cool war gestern

Abercrombie-Verkäufer vor dem Laden in München.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Anfangs mussten Kunden Schlange stehen, um in München bei Abercrombie & Fitch shoppen zu dürfen. Das hat sich geändert.
  • Bei vielen Münchner Jugendlichen kommt die Marke inzwischen nicht mehr an.
  • Branchenkenner schließen nicht aus, dass die Amerikaner sich aus der Stadt wieder verabschieden.

Von Franziska Gerlach

"Schau mal, die Schlange ist weg", sagt Melissa Möller, zupft ihre Freundin am Ärmel und deutet auf das Geschäft mit den verdunkelten Fenstern in der Sendlinger Straße. Die Mädchen bleiben einen Augenblick stehen vor Abercrombie & Fitch, reingehen wollen sie aber nicht. Und die beiden Studentinnen sind offenbar nicht die einzigen, die in der letzten Zeit lieber woanders eingekauft haben: Im dritten Quartal des vergangenen Jahres sind die Umsätze des amerikanischen Unternehmens um zwölf Prozent eingebrochen.

Da half es auch nichts, dass man bereits nach einem enttäuschenden zweiten Quartal beschlossen hatte, zumindest in Nordamerika das Logo aus dem Design zu verbannen. Im Dezember trennte sich der Textilkonzern dann nach mehr als zwei Jahrzehnten von seinem Chef Michael Jeffries. Dieser war zwar umstritten, hatte es aber geschafft, die im Jahr 1892 gegründete Firma für Sportbekleidung, Angelausrüstung und Zelte in eine angesagte Jugendmarke umzumodeln. Zumindest zeitweise.

Inzwischen scheint der Hype um Abercrombie & Fitch auch in München abgeklungen zu sein. Als der Laden in der Sendlinger Straße vor zwei Jahren eröffnete, war die Aufregung groß. Allein aus Neugier schaute mancher vorbei, um die gut gebauten Männer zu begutachten, die am Anfang vor der Tür standen und die Schlange bewachten. Oder um das Parfum zu schnuppern, das die Firma auf die Straße blies.

Dass bei Abercrombie & Fitch heute nichts mehr los ist, kann man auch nicht behaupten. An einem ganz gewöhnlichen Mittwoch herrscht einigermaßen Betrieb in dem schummrigen Geschäft, in dem die Kleidung angeleuchtet wird und nicht der Mensch. "Kann ich dir weiterhelfen?", fragt ein attraktiver Bursche am Treppenabsatz immer noch die Wünsche der Kunden ab.

Bereits andere Monolabel-Stores in München gescheitert

Trotzdem haben die drei Mittzwanziger, die am frühen Abend vor dem Store stehen, nichts gekauft. "Die schneidern so klein, dass mir noch nicht einmal ein Pulli in XXL passt", sagt Felix Müller, der 1,96 Meter misst. Dabei spreche der sportliche Stil der Klamotten ihn durchaus an. "Aber ich finde die Marke einfach nicht groß genug."

Eröffnung des Abercrombie-Store in der Sendlingerstrasse im ehemaligen SZ-Gebäude,riesige Schlangen von jungen Mädchen wollen die teure Mode an männlichen Modells sehen, .25.Oktober 2012, Foto : C : Stephan Rumpf

(Foto: Stephan Rumpf)

Größe allein reicht in München mit seinen Traditionskaufhäusern, Edelboutiquen und Filialisten aber manchmal nicht aus. Das zeigt auch die Geschichte eines anderen amerikanischen Monolabel-Stores: Gap. In dem mehrstöckigen Geschäft in der Kaufingerstraße residiert heute H & M. Zehn Jahre ist es jetzt her, dass sich Gap aus dem deutschen Markt zurückgezogen hat - die zehn Läden, die es hierzulande gab, hatten insgesamt nur ein Prozent des Umsatzes gemacht. In der Branche vermutet mancher, dass es Abercrombie & Fitch mitsamt der Schwestermarke Hollister über kurz oder lang ähnlich gehen könnte.

Letztere Marke bietet Klamotten im Surferstil, die in einem Geschäft in der Hofstatt zu haben sind. In der Vergangenheit hatte Hollister vornehmlich durch die kalifornische Welle auf sich aufmerksam gemacht, die über eine Videowand im Schaufenster brandet. Schon bevor das Geschäft überhaupt eingezogen war, hatte der Bezirksausschuss für die Altstadt und das Lehel gegen die Fassade protestiert. Der Auftritt könnte weitere Werbespektakel in der Stadt nach sich ziehen, fürchtete man.

Spannend bleibt die Frage, wie sich Abercrombie & Fitch gegenüber einem neuen Nachbarn in der Sendlinger Straße behaupten wird. Vor gut zwei Monaten ist mit dem britischen Label Superdry direkt nebenan, im ehemaligen Sport Scheck, eine Firma eingezogen, die eine recht ähnliche Zielgruppe im Visier hat: junge Leute, die es modisch gerne sportlich mögen.

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