KritikIm Fluss

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Der Jazzpianist Abdullah Ibrahim verwandelt sein Lebenswerk bei seinem Solokonzert im Prinzregententheater in eine monumentale Improvisation.

Von Andrian Kreye, München

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Ganz zum Schluss gab es dann doch noch "Mannenberg". Abdullah Ibrahims Schlüsselkomposition entfaltete sich fast schon beiläufig mit ihren strahlenden Akkorden aus dem Ideenfluss, dem er im ausverkauften Prinzregententheater eine Stunde lang auf dem Flügel seinen Lauf gelassen hatte. Es erinnerte noch einmal daran, dass er damals noch unter seinem Künstlernamen Dollar Brand ein Stück aufgenommen hatte, das zur Hymne der Anti-Apartheidsbewegung und zur Erkennungsmelodie seines monumentalen Lebenswerks wurde. Das war auch der rote Faden, der sich durch das Solokonzert zog. Und ähnlich wie auf seinem neuen Album "Solotude" gab er dem eine nochmals neue Richtung, egal ob er an "Soweto" anknüpfte, an "African Piano" oder an die Arrangements seiner Band Ekaya.

Ein Titan nicht nur der Musik- sondern auch der Weltgeschichte

Es war das perfekte Konzert für diese Polykrisenzeit. Ganz buchstäblich bremste Abdullah Ibrahim die Zeit ein, ließ einzelne Töne und Akkorde wirken. Mit seinem Gespür für den Backbeat schuf er da Spannung pur. Was im Original oft im Jubel aufbricht, wendete sich nach Innen. Gleichzeitig reihte er die Ideen, Eigenzitate und Themen mit einer solchen Verschwendungssucht aneinander, dass man sich schon bald nicht mehr darum scherte, wo die Kompositionen endeten und die Improvisationen anfingen, die er oft mit dem selben Sinn für Schönheit und Harmonie angeht wie seine Themen.

Später hinter der Bühne erzählte er von seiner Freundschaft mit Duke Ellington und erinnerte sich gemeinsam mit einer Veteranin, wie sehr ihm die ANC-Unterstützer in Deutschland in den Siebzigerjahren als Exilanten geholfen hatten, in der Fremde Fuß zu fassen. Kein Wunder also, dass so ein Titan nicht nur der Musik- sondern auch der Weltgeschichte in seiner Musik so viel zu erzählen hat, dass jede einzelne Note zählt, als sei sie eine Symphonie. Als er dann statt Zugabe am Klavier a capella ein Arbeiterlied sang, das die Kumpel in den Stollen der südafrikanischen Minen sangen, war das beseelte Publikum kaum noch zu halten.

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