Münchner Clubkultur:Endlich: So kommt man garantiert ins P1!

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Sehen und gesehen werden: das P1-Sommerfest 2023. Wer nicht dabei war im exklusiven Kreis, kann sich jetzt bei einer Ausstellung Eindrücke verschaffen. (Foto: Mark Siaulys Pfeiffer)

Wie man ganz locker die härteste Tür der Welt umgehen kann und dabei noch Kultur erlebt: Im Haus der Kunst eröffnet eine Ausstellung über die 40-jährige Geschichte des Sehnsuchtsortes an der Prinzregentenstraße.

Von Ulrike Heidenreich

Manchmal waren Fleetwood Mac und Prince gleichzeitig da. Mick Jagger lungerte am Rand der Tanzfläche herum, Udo Lindenberg kreuzte jeden Tag auf, Falco ebenso und die Münchner Prominenz in Gestalt von Bernd Eichinger auch. Whitney Houston sang sich hier erstmals vor europäischem Publikum ein. Kollege Freddie Mercury samt Queen oder Rod Stewart schauten im schönsten 1980er-Jahre-Outfit regelmäßig nach, was im „P-One“ gerade so los war. Und diese arroganten Typen an der Tür: legendär abweisend. So wird gerne kolportiert, dass an der Prinzregentenstraße 1 zeitweise die „härteste Tür der Welt“ stand, an der sich zum Beispiel folgender Dialog entwickelt haben soll: „Ihr kommt hier nicht rein“ – „Aber wir sind doch die Scorpions“ – „Eben drum“.

Wenn einer an der Tanzfläche rumlümmelte und aussah wie Mick Jagger - dann war es auch Mick Jagger (hier 1986). (Foto: Franz Hug/Interfoto)

Es ist schon viel geschrieben worden über das P1. Der Club ist zur Institution geworden. Er hat es sogar zu einem Wikipedia-Eintrag gebracht, der sich seriöser liest, als das Geschehen war, das sich manchmal drinnen, unter und neben dem Haus der Kunst abspielte: „Das P1 ist eine Diskothek im Münchner Stadtbezirk Altstadt-Lehel, die sich als Nobel- und Prominentendiskothek positioniert und Bekanntheit erlangte.“

Nun aber gibt es dort auch viel zu sehen. Eine Chance für viele Menschen, die an der harten Türe gescheitert waren, weil sie zum Beispiel Jeans trugen, die ihnen nicht standen, oder in Rockband-Fransen-Lederjacken Einlass begehrten. Wer also nie verfolgen konnte, was sich in jenen Räumen abspielte, die Michael Käfer 1984 von seinem Vater Gerd Käfer zum 25. Geburtstag geschenkt bekam, kann das nun nachholen – sogar schön verpackt als Kunstobjekt.

Die Band "Queen" mit Roger Taylor, Brian May, Freddie Mercury und John Deacon (von links), im August 1984 auf der Terrasse des Hauses der Kunst. (Foto: Fryderyk Gabowicz/Picture Alliance)

„Archives in Residence. Glamour und Geschichte. 40 Jahre P1“ heißt die Ausstellung im Haus der Kunst, die am Freitagabend eröffnet wurde. Bis Februar kommenden Jahres gibt es dort Prominenz auf wunderbaren Schwarz-Weiß-Fotos, aber auch in bunt und knallig zu sehen. Es lassen sich Aufnahmen der berüchtigten Motto-Partys im „Oanser“ bestaunen, die Reise durch Münchens berühmteste Disco führt über den Umzug vom Ost- in den Westflügel bis zum minimalistischen Design des Mailänder Designers Matteo Thun, der das Nachtlokal umgestaltet hatte.

Eine der Motto-Partys, das Römerfest 1985, in der Mitte der junge Michael Käfer. (Foto: P1-Archiv/munichpress)

Und weil das Ganze unter dem Label Kunst läuft, wollen die Ausstellungskuratorinnen Sabine Brantl und Lydia Antoniou auch „immersive Erfahrungen“ bieten. Das bedeutet, dass während der Ausstellung ein Magazin über das P1 publiziert und mit Beiträgen der Besucherinnen und Besucher erweitert wird. Diese sollen dann auch noch möglichst persönliche Erinnerungsstücke aus dem P1 mitbringen, die wiederum ausgestellt werden. Die „schönsten und spannendsten Geschichten“ aus dem P1 darf man zudem aufschreiben und einwerfen – in die Zettelbox am Eingang. Die ist natürlich golden.

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