24-Hour-Project:Zwei dutzendmal München

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24-Hour-Project: Passend zum Vorjahresthema "Kinder" hat Julia Eckenberger dieses Foto in München aufgenommen.

Passend zum Vorjahresthema "Kinder" hat Julia Eckenberger dieses Foto in München aufgenommen.

(Foto: Julia Eckenberger)

Für die Foto-Aktion machen Menschen auf der ganzen Welt Aufnahmen ihrer Stadt und posten sie auf Instagram. Den ganzen Tag lang, jede Stunde ein Bild. Mitmachen kann jeder - man sollte sich aber auf die 24 Stunden vorbereiten.

Von Florian J. Haamann, München

Die ganze Welt an einem Tag fotografisch dokumentieren. Nichts Geringeres ist das Ziel der internationalen Fotografieaktion "24-Hour-Project", an der sich jedes Jahr auch mehrere Fotografinnen und Fotografen aus München beteiligen. Das Prinzip ist so einfach wie anstrengend: Überall auf der Welt halten die Teilnehmer am Projekttag - in diesem Jahr Samstag, 10. September - 24 Stunden lang, von 0 bis 0 Uhr, Alltagsbeobachtungen in ihrer Stadt fest, je eine Aufnahme pro Stunde, die dann direkt in dieser Stunde unter einem gemeinsamen Hashtag auf Instagram veröffentlicht wird. Im vergangenen Jahr haben sich fast 4500 Fotografen aus knapp 100 Ländern an der Aktion beteiligt. In diesem Jahr feiert das 24-Hour-Project nun sein zehnjähriges Bestehen.

In München wird die Aktion von Axel Eckenberger koordiniert. Der 53-Jährige ist dabei nicht nur Botschafter der Stadt, sondern als Teil des Teams auch für die Organisation aller Botschafter weltweit verantwortlich. "Wir sind ein internationales Straßenfotografie-Projekt, das zum einen darauf abzielt, die Welt wie in einem Schnappschuss einen Tag lang zu dokumentieren. Zum anderen ist es auch damit verbunden, auf gewisse gesellschaftliche Probleme aufmerksam zu machen und durch die Unterstützung von NGOs zu versuchen, diese zu lindern."

In diesem Jahr geht es um die Klimakrise, mit den gesammelten Spenden wird die mexikanische Organisation "Yontonte" gefördert. "Ideal ist es, wenn man das Thema mit seiner Fotografie verbinden kann, aber das klappt nicht immer und ist auch kein Muss. In München gibt es natürlich Orte wie den Englischen Garten, der zeigt, wie man Natur nutzen kann, oder die Innenstadt mit ihren relativ wenigen Grünflächen. Letztes Jahr sind wir in den Morgenstunden an den Überresten einer Party an der Uni vorbeigekommen, so etwas würde sich dieses Mal zum Beispiel gut anbieten", erzählt Eckenberger, der sich ehrenamtlich in dem Projekt engagiert und im Hauptberuf in der Softwarebranche arbeitet.

Bei der Straßenfotografie geht es darum, möglichst authentische Alltagsbeobachtungen festzuhalten, möglichst ohne die Szene zu stören. Manchmal sind die Ergebnisse sehr dokumentarisch, manchmal humorvoll, manchmal kunstvolle Stillleben.

24-Hour-Project: Axel Eckenberger ist Münchenbotschafter des 24-Hour-Projects und international für die Organisation der Botschafter zuständig.

Axel Eckenberger ist Münchenbotschafter des 24-Hour-Projects und international für die Organisation der Botschafter zuständig.

(Foto: Christoph Sand/oh)

Ins Leben gerufen wurde das 24-Hour-Project vor zehn Jahren vom in New York lebenden Fotografen Renzo Grande, damals hatten sich noch 65 Fotografen aus 20 Ländern beteiligt. Mittlerweile ist das Projekt auch nicht mehr nach den 24 Stunden zu Ende. In den Folgemonaten gibt es beispielsweise in vielen Ländern Ausstellungen, in denen noch einmal die besten Bilder zu sehen sind.

Die besondere Herausforderung sei es nicht nur, genug gute Motive zu finden, sondern überhaupt 24 Stunden am Stück durchzuhalten. "Ich bin seit 2018 dabei, und beim ersten Mal habe ich fürchterlich versagt. Ich hatte viel zu viel Gepäck dabei und musste um sechs Uhr morgens erst mal nach Hause fahren und ein paar Stunden aussetzen, bevor ich wieder rausgegangen bin", erinnert sich Eckenberger. Damals sei seine größte Lehre gewesen: immer mit leichtem Gepäck unterwegs sein, Kamera, Akkus, ein paar Snacks, etwas zu trinken.

Zudem seien die 24 Stunden eher ein Ziel als ein Zwang. Wer einfach nur ein paar Stunden dabei sein möchte, könne dies natürlich auch gerne machen. Teilnehmen kann jeder, der Lust hat, selbst wenn er nicht in einer Stadt lebt, in der es eine offizielle Gruppe gibt. Manch einer beteilige sich auch einfach von zu Hause. So habe im vergangenen Jahr, das unter dem Thema "Kinder" stand, eine Münchner Fotografin ihre Familie in der Wohnung dokumentiert.

24-Hour-Project: Eine Radfahrerin im Alltagsgewusel der Stadt ist Axel Eckenberger 2021 als Motiv aufgefallen.

Eine Radfahrerin im Alltagsgewusel der Stadt ist Axel Eckenberger 2021 als Motiv aufgefallen.

(Foto: Axel Eckenberger)

Um eine bessere Kommunikation zu ermöglichen, wird eine Anmeldung unter www.24hourproject.org empfohlen. "Wir treffen uns kurz vor Mitternacht alle am Marienplatz und ziehen dann gemeinsam von dort los. Meist bilden sich dann kleine Gruppen und es verläuft sich etwas, aber ich versuche, die Gruppe mehrmals am Tag zusammenzubringen", sagt Eckenberger.

Besonders schön seien die Momente, in denen man mit Passanten auf der Straße ins Gespräch kommt. "Im vergangenen Jahr habe ich einen Münchner Schauspieler getroffen, mit dem ich mich dann eine halbe Stunde unterhalten habe. Manchmal sind die Leute auch irritiert von dem, was wir machen, dann kommt man ins Gespräch, und sie sind oft total begeistert, wollen auch auf ein Foto und unterstützen sogar noch das Projekt. Solche Geschichten sind quasi das Salz in der Suppe bei dem Event."

24-Hour-Project, Samstag, 10. September von 0 bis 0 Uhr. Anmeldung und weitere Informationen unter www.24hourproject.org

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