Filmpremiere in MünchenWarum „22 Bahnen“ das Zeug zum Kino-Blockbuster hat

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Weltpremiere in München: Luna Wedler und Jannis Niewöhner, die Stars des Films „22 Bahnen“, neben der Autorin Caroline Wahl (von links), im Arri-Kino in München.
Weltpremiere in München: Luna Wedler und Jannis Niewöhner, die Stars des Films „22 Bahnen“, neben der Autorin Caroline Wahl (von links), im Arri-Kino in München. Robert Haas

Als Buch ein Bestseller: Die berührende Geschichte um eine Mathestudentin und ihre Familie startet Anfang September im Kino. Die Münchner Premiere stößt auf großes Interesse – auch in der Politik.

Von Josef Grübl

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Da sage noch einer, Spitzenpolitiker ließen sich nicht bewegen: Niemand Geringerer als Kulturstaatsminister Wolfram Weimer betritt am Sonntagabend den blauen Teppich des Münchner Arri-Kinos und folgt geduldig den Anweisungen der vor ihm stehenden Fotografen. Neben ihn drängen sich einige prominente Kulturschaffende – und tun es ihm gleich. „Bitte nach rechts schauen“, heißt es da. Oder: „Jetzt geradeaus.“ Der Minister lächelt und folgt, er schaut nach rechts, nach vorn, sogar nach links.

Weimer hat aber auch allen Grund zur Freude, als höchster Kulturvertreter des Landes ist er ohnehin bei Kulturveranstaltungen jeglicher Art willkommen. Die Weltpremiere der Literaturverfilmung „22 Bahnen“ liege ihm ganz besonders am Herzen, verrät er bei einem kurzen Gespräch nach dem Fototermin: „Ich habe mich in Caroline Wahls Buch verliebt, da kannte es noch niemand“, sagt er stolz. Das Ganze trug sich im Jahr 2023 zu, als er noch kein Minister und sie keine Bestsellerautorin war: Da wurde Wahls Debütroman mit dem Grimmelshausen-Preis ausgezeichnet, er selbst saß damals in der Jury.

Zwei Jahre später hat sich Caroline Wahls Buch etwa eine Million Mal verkauft. Und da sich bei solchen Wahnsinnszahlen Filmmenschen ebenfalls blitzverlieben, wurde die berührende Geschichte um eine Mathematikstudentin, ihre kleine Schwester und die alkoholkranke Mutter blitzschnell verfilmt. Der Film heißt natürlich genauso wie das Buch, auf den bei der Premiere aufgehängten Plakaten sieht man die schwimmende Mathestudentin im Tauchgang. Gespielt wird sie von der vielbeschäftigten jungen Schweizerin Luna Wedler, gefilmt wurde im Sommerbad Gauting.

„Es war arschkalt“, sagt die Hauptdarstellerin lachend. Da die Macher den Film aber so schnell wie möglich ins Kino bringen wollten, drehten sie ihn im Oktober und November vergangenen Jahres. Wedler biss die Zähne zusammen und kraulte sich vor den Kameras regelmäßig durch die titelgebenden „22 Bahnen“. Ihr Co-Star durfte ebenfalls ins Wasser: „Ich habe mehr gefroren als Luna“, sagt Jannis Niewöhner lachend, „eine Szene musste ich sogar nachsynchronisieren, weil ich so geschlottert habe“.

Davon kriegt man zum Glück im fertigen Film nichts mit, auch am Premierenabend sind die Temperaturen eher zu hoch als zu niedrig. Vor allem rund um den blauen Teppich geht es heiß her, die einen suchen Nähe zu Politikern wie dem Kulturstaatsminister oder dem bayerischen Medienminister Florian Herrmann, die anderen hoffen auf Selfies mit den Stars oder Autogramme der Autorin.

Caroline Wahl trägt ein knappes Leoparden-Kleid und pinkfarbenen Lidschatten mit Glitzerherzen, neben ihrem hünenhaften Fan Weimer wirkt sie noch kleiner als sie ist. Bei einem Gespräch am Rande des Gewusels spricht sie über Unterschiede der Film- und Literaturwelt, außerdem versucht sie sich an einer Erklärung ihres Erfolgs: Das Schicksal meine es nicht gut mit den Figuren in ihrem Buch, sagt Wahl, sie würden sich aber nicht unterkriegen lassen. „Sie haben einfach Bock aufs Leben.“

Verliebt in das Buch, als es noch niemand kannte: Wolfram Weimer, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Verliebt in das Buch, als es noch niemand kannte: Wolfram Weimer, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Robert Haas

Ob das Publikum Bock auf den Film hat, wird sich von 4. September an zeigen: Dann startet „22 Bahnen“ in den Kinos, die Vorzeichen stehen gar nicht einmal so schlecht. Das Premierenpublikum zeigt sich angetan, die Fans des Buchs sind neugierig und auch die Politik setzt Zeichen: Das Filmgeschäft sei ihm sehr wichtig, sagt Wolfram Weimer, erst kürzlich habe die Bundesregierung die Fördergelder auf 250 Millionen Euro jährlich verdoppelt. Es bewegt sich also etwas – oder wie der Minister dazu sagt: „Wir brauchen einen Filmbooster.“

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