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2000 Jahre Stadtgeschichte:Augsburg fehlt ein Römermuseum

Archäologe äußert Unverständnis über das Desinteresse der Stadt, die eigene Historie attraktiv vorzuzeigen

"Augsburgs Römerendlager" vom 18. Oktober:

Ich stimme Professor Salvatore Ortisi und meinen deutschen Kollegen zu: Lokale Politiker haben das archäologische Erbe Augsburgs über Jahrzehnte vernachlässigt. Die unendliche Geschichte des Römischen Museums ist ein leider abschreckendes Beispiel. 1985 wurde die Gründung Augsburgs vor zweitausend Jahren groß gefeiert. Doch schon damals beklagten Archäologen, dass die Stadt mit ihren Anfängen - als größte römische Stadt Süddeutschlands - wenig anzufangen weiß und dies nicht einmal touristisch vermarktet.

Ich wuchs südlich von Augsburg auf, ging im Augsburger Gymnasium Sankt Stephan (das auf dem römischen Forum gebaut wurde) zur Schule und arbeitete während meines Studiums Anfang der 90er Jahre für mehrere Jahre in Augsburg als Grabungshelfer. Seitdem habe ich auf die Archäologie der Maya im heutigen Guatemala umgesattelt und bin nun Professor an der amerikanischen Vanderbilt University. Mir liegt jedoch Augsburg immer noch am Herzen. Es ist mir unverständlich, warum eine historisch so bedeutende Stadt ihre Archäologie unterschlägt. Von dem römischen Lager, das 15 vor Christus gebaut wurde, und vom römischen Augusta Vindelicorum ist in der heutigen Stadt so gut wie nichts zu sehen. Die Ausstellung der römischen Funde im Zeughaus ist beschämend, wie Ihr Artikel darlegt.

Ich möchte Augsburgs Politiker auffordern, der historischen Bedeutung ihrer Stadt gerecht zu werden. Das ist keine lokale Angelegenheit. Viele meiner amerikanischen Kollegen sehen den Augsburger Umgang mit seinem archäologischen Erbe kritisch. Es gibt in Deutschland wenige Orte, die eine gleichrangige zweitausendjährige Geschichte aufweisen können. Augsburg benötigt schon seit Langem ein archäologisches Museum. Markus Eberl, Nashville, Tennessee