18. März 2010, 09:25 Schauspielerin verklagt Modehaus Die Ferres ist nicht brav genug

Ein Modehaus will nicht mehr mit Veronica Ferres werben - das "ehebrecherische Verhältnis" sei schlecht fürs Image. Das Honorar bekommt sie trotzdem - dank ihrer Anwälte.

Von Ekkehard Müller-Jentsch

Sekt oder Selters: Am 1. April werden bei Schauspielerin Veronica Ferres womöglich die Korken knallen - dann werden ihr 400.000 Euro auf dem Konto gutgeschrieben.

Vielleicht wird sie die Flasche aber auch im Kühlschrank stehen lassen und stattdessen bei einem Mineralwasser den knapp 60.000 Euro nachtrauern, die sie ursprünglich noch zusätzlich haben wollte. Wie auch immer, es war jedenfalls leicht verdientes Geld, das sie sich vor Gericht erkämpfen ließ.

Ferres wollte 458.150 Euro

Im Justizpalast wurde am Mittwoch ein deftiger Streit zwischen Veronica Ferres und den Adler-Modemärkten beigelegt: Das erfolgsgewohnte 44-jährige "Superweib" hatte das Unternehmen auf Zahlung von 458150 Euro verklagt. Sie war 2008 als neues Gesicht des Modehauses engagiert worden, als Nachfolgerin von TV-Moderatorin Birgit Schrowange.

Die Adler-Märkte, die zu diesem Zeitpunkt noch zum Metro-Konzern gehörten, wollten sich mit der Ferres ein moderneres Image verpassen und auch für die erfolgreiche Frau ab 40 interessant werden. Pro Jahr sollte die Schauspielerin um die 800.000 Euro bekommen: Im ersten Jahr floss das Geld pünktlich. Doch 2009 kam nur ungefähr ein Drittel zur Auszahlung.

Inzwischen hatte nämlich die Münchner Sanierungsgesellschaft BluO die Modemärkte übernommen. Und ihr Chef Martin Vorderwülbecke, der mit seinem Partner Peter Löw zuletzt als Aufkäufer der Nachrichtenagentur ddp und durch die Beteiligung an der Presseagentur AP von sich Reden machte, hält die Ferres buchstäblich für "Kassengift".

"Sie lebt in ehebrecherischem Verhältnis"

Die Aktrice sei vom Vorbesitzer wegen ihres ursprünglich positiven Images ins Boot geholt worden. Doch dann habe die Frau ihren Lebenswandel geändert und ihren Mann verlassen. Sie lebe "nun in ehebrecherischem Verhältnis", sagte der als Adler-Geschäftsführer agierende Manager.

Auch seine Kundinnen seien doch gewiss froh, in unserer aufgeklärten Gesellschaft und nicht mehr im 19.Jahrhundert zu leben, meinte daraufhin Einzelrichter Peter Falk. Und die Ferres-Anwälte Heinrich Lübbert und Ermin Brießmann kanzelten diese Äußerung als "frauenfeindlich" ab. Doch Vorderwülbecke blieb dabei: Die "einfache Bevölkerung" wollte die Ferres nicht, die massiven Umsatzeinbrüche bei Adler lägen nach seiner Überzeugung an ihr.

Der Richter machte ihm jedoch deutlich: "Der Geist des Vertrages ist so, dass das Prozessrisiko massiv auf der Beklagtenseite ist." Um zu "emotionalisieren", machte der Manager daraufhin ein Vergleichsangebot, das bei der Gegenseite jedoch nicht gleich auf Zustimmung traf.

Birgit Schrowange ist zurück

Daraufhin griff Vorderwülbecke nach Hut und Mantel und drohte zu gehen. Und als das Gericht den Anwälten dann eine Beratungspause einräumte, verließ er tatsächlich das Gebäude. "Das Verhalten ist absolut lächerlich", wunderte sich Falk.

Es kam aber doch noch ein Kompromiss zustande: Die Ferres erhält 400.000 Euro von den Adler-Märkten, die obendrein 75 Prozent der Prozesskosten tragen - gewiss ein fünfstelliger Betrag. Dafür müssen sie allerdings keine Zinsen für die Dauer des Rechtsstreits zahlen. Adlers "neuer" Sympathieträger ist jetzt wieder Birgit Schrowange.