Ausstellung:Demokraten der ersten Stunde

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:Belli Eisner Hadern Lindenallee 8

Eine der ersten Demokratieschmieden: die Villa Belli/Eisner an der Lindenallee 8 (heute Pfingstrosenstraße).

(Foto: Privatarchiv Rauch)

Das Revolutionsjahr 1918 prägten nicht nur Menschen wie Paul Klee und Kurt Eisner, die Aktivisten waren vielmehr mitten unter uns

Von Ilona Gerdom

An den Wänden im Haderner Kulturzentrum Guardini 90 hängen viele Fotos von Menschen, die man kennt. In einer Ecke ist zum Beispiel ein Bild von Kurt Eisner, Bayerns erstem Ministerpräsidenten. Ein Stück weiter kann man den Künstler Paul Klee sehen. Aber die Ausstellung "Demokratiestart 1918" zeigt nicht nur Berühmtheiten. Ob bekannt oder nicht, für Kurator Sepp Rauch sind alle Personen, die im Stadtteilkulturzentrum Haderns gezeigt werden, "Erstdemokrat/inn/en". Das Wort hat er sich selbst ausgedacht. Es beschreibe "Frauen und Männer, die ihren revolutionären Ideen und Überlegungen Taten - eine friedliche Revolution - folgen ließen".

Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem die, die um 1918 herum in Hadern lebten: "Es fällt auf, dass überraschend viele Haderner beim Demokratiestart mit dabei waren", erklärt Rauch. Zu den damaligen "Demokratieschmieden" zählte neben den Treffen der Arbeiterjugend der SPD nämlich auch die "Villa Belli/Eisner" in Hadern - also das Haus von Kurt und Else, geborene Belli, Eisner. Einmal im Monat - sonntags, wenn die Nachbarn in der Kirche waren - traf man sich dort zu Gesprächen, die sich "gegen König und Krieg" richteten. Die Teilnehmer diskutierten, wie Bayern nach der Wittelsbacher Herrschaft und nach dem Ende der Militärdiktatur Hindenburgs und Ludendorffs aussehen könnte. Nach dem Januar-Streik 1918 fanden die Zusammenkünfte mit der Verhaftung Kurt Eisners ein jähes Ende. Kurz nach seiner Entlassung im Oktober des gleichen Jahres folgte im November die Revolution: Eisner proklamiert den Freistaat und wird erster Ministerpräsident.

Ilse Eisner

Vorkämpferinnen der Demokratie: Fast jede zweite aktive Person war eine Frau, so wie Ilse Eisner, Tochter von Kurt Eisner.

(Foto: Privat)

Neben Eisner widmet sich die Ausstellung mehr als 40 anderen Demokratinnen und Demokraten. Zu allen hat Rauch Kurzporträts erstellt. "Ohne Zuarbeit wäre das nicht möglich gewesen", stellt er fest. "Das ist ein Gemeinschaftswerk." Tatsächlich steckten dahinter nicht nur er, der Geschichtsverein Hadern und Verdi Bayern, sondern ein ganzes Netzwerk an Menschen, die "Mosaikstein um Mosaikstein" zusammengesetzt hätten, so der Rentner.

Doch, und das ist Rauch wichtig, es geht nicht nur um die Anfänge der Demokratie in Bayern. Zentral sei die Frage: Welche Menschen haben mitgewirkt? Man könne zum Beispiel sehen, dass fast jede zweite aktive Person eine Frau war. Das sei aber kaum bekannt. Ebenso wie die Namen und Leben der vielen Erstdemokraten. Sie zu zeigen, ist Rauchs Ziel. Und: "Vielleicht kommt der eine oder andere wichtige politische Mensch in München drauf, dass er mal auf so eine Liste schaut und sagt: Verdammt nochmal, der Betty Landauer oder der Hedwig Kämpfer könnten wir doch ein Denkmal setzen." Der Kurator findet, es wäre schön, "wenn in München neben den vielen Fürsten mal Demokratinnen und Demokraten sichtbar werden würden".

Die Ausstellung ist bis 8. November, Montag bis Samstag von 10 bis 12 sowie dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr, geöffnet. Die zugehörige 72-seitige Broschüre kann man per Mail an info@arabellabuch.de bestellen.

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