150 Jahre TU München Ludwig II. gründete die TUM

Gegründet wurde sie 1868 von Bayerns Märchenkönig Ludwig II. Dessen Königreich wurde damals gerade durch die Eisenbahn erschlossen, und weil man fürchtete, in der Industriellen Revolution womöglich technisch abgehängt zu werden, ruhten die Hoffnungen auf der "Polytechnischen Schule" oder "Technischen Hochschule" (TH), wie sie von 1877 an hieß; erst seit 1970 heißt sie "Technische Universität".

An der Arcisstraße in München sollten Ingenieure ausgebildet werden, die mit der Technik ebenso wie mit den Naturwissenschaften vertraut waren, um letztlich die Wirtschaft zu stärken. Die Aufsicht über die Schule lag beim Handelsministerium. Ziel der Polytechnischen Schule sei es, der "gewerblichen und industriellen Welt den zündenden Funken der Wissenschaft zu bringen", so habe es Karl Max von Bauernfeind formuliert, der erste Rektor, sagt Herrmann. Dieses Selbstverständnis pflege die TU bis heute: "Die Nähe zur Wirtschaft liegt in unseren Genen."

Heute zählt die TU knapp 41 000 Studenten und 544 Professoren; sie ist der engen Innenstadt lange schon entwachsen. Sie sitzt heute nicht nur in München, sondern auch in Garching, Weihenstephan, Straubing und in Singapur sowie künftig auch in Heilbronn. Schon jetzt studieren mehr als die Hälfte der TU-Studenten außerhalb Münchens. Und sobald der bereits beschlossene Umzug der Fakultät für Elektrotechnik nach Garching vollzogen ist, wird die Stadt im Norden Münchens mit dann etwa 20 000 Studenten größter Einzelstandort der TU München sein.

Angefangen hat es hingegen mit nur etwa 350 Lernenden, allesamt Männer, und zwei Dutzend Hochschullehrern. Unterrichtet wurde ausschließlich an der Arcisstraße. Doch dort versammelten sich nicht nur rasch renommierte Wissenschaftler, - bis heute zählt die TU 17 Nobelpreisträger zu ihren Professoren und Alumni - sondern diese erkannten auch früh die Gelegenheit, mit ihrer Forschung Geld zu verdienen. Den Anfang machte 1879 der Kältetechnik-Pionier Carl von Linde: Der Linde-Konzern mit seinem Milliardenumsatz sei letztlich die erste Ausgründung der TU, sagt Herrmann stolz.

Umgekehrt hat ihre Wirtschaftsnähe die TU auch kompromittiert. So wurde die Universität etwa 1943 zum "Kriegsmusterbetrieb" ernannt. Damit zeichneten die Nazis Betriebe aus, die sich für die Rüstungsproduktion einsetzten. Und tatsächlich stellte die damalige TH ihre Forschungskapazitäten umso mehr in den Dienst des Militärs, je weniger der Lehrbetrieb aufrechterhalten werden konnte. Und sie profitierte nachhaltig davon, dass die Nazis gezielt die Luftfahrt- und die Elektrotechnik förderten, und zwar besonders im Großraum München. Nach 1945 hatte der Zweite Weltkrieg der TH einen gehörigen Standortvorteil verschafft.

Wie geht es nun weiter? Man wolle eine "moderne technische Universität sein, im internationalen Vergleich, weil alles andere ja ein Schmarrn ist", sagt TU-Präsident Herrmann. Dazu gehöre auch ein enger Kontakt zur Wirtschaft, aber auch, die eigenen Denkgewohnheiten immer wieder in Frage zu stellen. Die Technikgläubigkeit etwa, mit der er selbst noch aufgewachsen sei, die sei "nicht mehr zeitgemäß". Man müsse sich auch den Risiken der Technik stellen. Auch deshalb sei es so wichtig, sich als TU den Geistes- und Sozialwissenschaften zu öffnen.

Herrmanns Amtszeit endet 2019, seine Pläne aber reichen weiter. In Garching sind neue Forschungszentren der TU und von Firmen geplant. Am 18. April, an Herrmanns 70. Geburtstag, beginnt dort auch der Bau des ersten Teilstücks der neuen Fakultät für Elektrotechnik. Die müsse rasch komplett fertig werden, sagt Herrmann. Man verhandle mit dem Ministerium gerade darüber, ob die TU mit einem privaten Bauträger selber bauen könnte, um Zeit und Geld zu sparen.

Und in Garching soll außerdem ein neuer Turm entstehen. Bei später einmal rund 20 000 Studenten und 5000 Mitarbeitern brauche man ein Besucherzentrum, sagt Herrmann. Ein Turm im Norden des Campus könne die Lösung sein, vielleicht zehn Stockwerke hoch. Studierende würden bereits Architektur-Skizzen anfertigen.

Dort könne es ein Zentrum geben mit Ausstellungen über neue Entwicklungen, kein Museum, mehr ein "Science Center". Oben könne die Verwaltung Büros beziehen. Und in der Mitte könne man Räume schaffen, in denen sich Absolventen treffen und ins Gespräch kommen könnten, sagt der Präsident, viele haben ja einflussreiche Posten in der Wirtschaft. Für den Turmbau zu Garching könnten die Alumni dann gerne auch etwas Geld beisteuern.