Das Staunen war groß und es wurde noch größer. Das, was das Bergson-Team Ende März 2024 auf einer Pressekonferenz angekündigt hatte, nämlich die „gestaffelte Eröffnung“ eines „kulturellen Gravitationszentrums“, ist Realität geworden.
Seit einem Jahr empfängt Münchens spannendster (und abgelegenster) Hotspot Besucherinnen und Besucher aus nah und fern, Schritt für Schritt sind die Bereiche eingeweiht worden, die den Charakter des Bergson formen: erst das 25 Meter hohe Atrium, die Beletage, die Restaurants und Bars, dann die Galerie in den ehemaligen Kohlesilos, im Sommer der Biergarten, im Herbst die klangvollendete Riesenzauberkiste namens Elektra Tonquartier, die Galerieflächen im Neubau und der Kellerclub Barbastelle.
Nun, da alles auf dem 20 000 Quadratmeter großen Areal in Aubing fast permanent zugänglich ist, nun, da mit der Jazzrausch Bigband, den Bergson Phil’ und den neuen Bergson Voices gleich drei Hausensembles die Räume beschallen, ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen.
Zunächst die Zahlen: 250 000 Besucherinnen und Besucher seien gezählt worden, teilte das Bergson auf Nachfrage mit (geschlossene Veranstaltungen mitgezählt). Umgerechnet sind das rund 21 000 Gäste pro Monat und 700 pro Tag. 100 000 Tickets seien verkauft worden, 500 Veranstaltungen über die Bühnen gegangen (zusätzlich 100 geschlossene Veranstaltungen). Außerdem mal bejubelt, mal kritisch beäugt: fünf Einzel- und drei Gruppenausstellungen sowie 60 Expertinnen und Experten auf dem Podium der Akademie.

Michael Amberger, der gemeinsam mit seinem Bruder Christian die Neugestaltung des ehemaligen Heizwerks finanziert hat, zeigt sich zufrieden. Er sei „sehr glücklich über das bisher Erreichte“, resümiert der Geschäftsführer des Familienunternehmens Allguth. „Das Bergson Kunstkraftwerk hat sich in kürzester Zeit als fester Bestandteil der Münchner Kulturlandschaft etabliert – es hat sich zu einem lebendigen Ort für alle Fans von Kunst, Kultur, Kulinarik und außergewöhnlichen Events entfaltet.“
Über eine Zahl freut sich der Spiritus Rector Michael Amberger ganz besonders: „Als Team sind wir sprunghaft gewachsen und haben mittlerweile rund 200 Mitarbeitende“, sagt der Geschäftsmann und hält das für „ein wichtiges Signal in einer Zeit, die nicht durchweg von Prosperität gekennzeichnet ist.“ Der wirtschaftliche Aufschwung im Bergson sei nur durch „unsere Bergsonians“ möglich gewesen, „ihnen gilt mein großer Dank.“
„Nach wie vor an der Startlinie“
Persönliche Höhepunkte oder einzelne Veranstaltungen oder Konzerte möchte er nicht herausheben. Aber Amberger erzählt eine kleine Anekdote, die ihm offenbar viel bedeutet: „Wenn nachmittags ein circa zehnjähriger Junge aus Aubing in der Galerie steht und erzählt, dass er nach dem Fußballtraining die bildende Kunst betrachten will, dann erfüllt mich das mit großer Freude. Denn es zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind, unser großes Ziel zu erreichen, ein Begegnungsort zu sein und allen Menschen Zugang zu kulturellen Erlebnissen zu bieten.“
Noch sehe er das Bergson-Team und sich „nach wie vor an der Startlinie“. Und weiter: „Ein Jahr ist ein schöner Zeitpunkt, um kurz innezuhalten – mehr aber auch nicht. Dafür haben wir noch viel zu viel vor, wollen beständig an uns arbeiten, uns weiterentwickeln, neue Impulse setzen und noch mehr Menschen für Kultur begeistern.“

