"30 unter 30" Weltbürger aus Leidenschaft

Sein Optimismus ist ansteckend: Akilnathan Logeswaran, 29, glaubt fest daran, dass Europa eine Zukunft hat.

(Foto: privat/oh)

Akilnathan Logeswaran ist mit seinem Engagement für ein freies, geeintes Europa auf der "Forbes"-Liste gelandet

Von Martina Scherf

Das US-amerikanische Wirtschafts-Magazin Forbes kürt einmal im Jahr die "30 unter 30" - junge Menschen, die viel bewegen und Vorbilder sind. Der Münchner Akilnathan Logeswaran wurde jetzt in London in der Kategorie "Recht und Politik" geehrt, zusammen mit jungen Menschen aus aller Welt. Wie fühlt sich das an? "Ein bisschen surreal", sagt Logeswaran, 29, und lacht. Aber sich auf internationaler Bühne zu bewegen, das ist der sympathische, redegewandte Münchner durchaus gewohnt. Ausgezeichnet wurde er für sein Engagement als Aktivist für Menschenrechte und für ein vereintes Europa. Im vergangenen Jahr, als Menschen in vielen europäischen Städten für ein freies Europa und gegen die Nationalisten auf die Straße gingen, stand Logeswaran jeden Sonntag vor der Münchner Oper und diskutierte mit Passanten. Er hat die Münchner Gruppe der Bürgerbewegung "Stand Up For Europe" mitgegründet, ist Mitglied im Think Tank 30 des Club of Rome und engagiert sich seit 2017 im Jugendbeirat des Weltwirtschaftsforums. Dort diskutiert er mit hochrangigen Politikern. "Meine Ideen zur Migrationspolitik sind in ein Papier eingeflossen, das in diesen Tagen an Jean-Claude Juncker, Emmanuel Macron und alle europäischen Regierungschefs geht, das macht schon ein wenig stolz", erzählt der Münchner. Er brennt für seine Ideen, und wer ihm zuhört, wird unwillkürlich angesteckt von seinem Optimismus.

"Man sagt oft, junge Leute würden sich nicht für Politik interessieren, aber das stimmt nicht", sagt er. "Vor vier Jahren habe ich die deutsche Delegation für den European-Youth-Event im Straßburger Parlament geleitet. Da kamen 10 000 junge Menschen aus ganz Europa!" Als Sonderbotschafter engagiert er sich auch für die Kampagne #FreeInterrail: Jeder Europäer, so die Idee, solle zu seinem 18. Geburtstag ein kostenloses Interrail-Ticket geschenkt bekommen. "So eine Reise weitet den Horizont, und von dem Ticket könnte wirklich jeder Europäer, egal, in welch abgelegenem Dorf er lebt, profitieren", sagt er.

Logeswaran hat Volkswirtschaft und Wirtschaftsinformatik studiert und arbeitet zur Zeit als Fachmann für Digitalisierungsprojekte in einer Wirtschaftsberatungsfirma. Langfristig hat er aber andere Pläne. Er ist enorm gut vernetzt, auf allen Social-Media-Kanälen unterwegs und ein charismatischer Redner. Beste Voraussetzungen also für eine vielversprechende politische Karriere. Und die strebt er auch an. "Ich wollte schon als Kind Politiker werden", sagt er. Geschichte und Sozialkunde waren seine Lieblingsfächer am Münchner Willi-Graf-Gymnasium, und als der Geschichtslehrer einmal anmerkte, "Gerechtigkeit", die gebe es nicht, "da bin ich aufgestanden und habe laut widersprochen". Erst später, mit mehr politischem Weitblick, habe er begriffen, wie der Lehrer das damals gemeint hatte.

Nach dem Abitur ist er nach Indien aufgebrochen, um dort ein freiwilliges soziales Jahr in einem Kinderheim zu machen. Er engagiert sich für Geflüchtete in Europa und treibt die Idee einer eigenen Bank und einer digitalen Identität für diese Menschen voran, die oft jahrelang unterwegs sind und alles verloren haben.

"Ich bin mit zwei Kulturen aufgewachsen, das hat meinen Blick erweitert", sagt er. Sein Vater ist einst aus Sri Lanka geflohen, "was so eine Flucht bedeutet, das habe ich von ihm hautnah erfahren", erzählt er. Die Familie wohnte im Münchner Stadtteil Hasenbergl. Wann immer Logeswaran heute mit Jugendlichen diskutiert, sagt er ihnen: "Es ist nie leicht, wenn du anders bist. Sie nennen uns Freaks, Nerds, Geeks und naiv. Ich weiß das, weil ich es selbst oft erfahren habe. Und es ist nicht leicht, seinen Träumen zu folgen. Aber jeder einzelne Moment, durch den du durch musst, ist es wert und wird sich einmal auszahlen. Nicht durch Titel und Auszeichnungen, sondern weil es deinem Leben einen Sinn gibt. Lass dir von niemanden sagen, dass du irgendwas nicht schaffen kannst." Das ist sein eigenes Credo, und er kann es glaubhaft vermitteln.

Dass aus ihm ein charismatischer Politiker wird, kann man sich gut vorstellen. Aber er geht dieses Ziel strategisch an, will erst noch Erfahrung in Wirtschaft und Gesellschaft sammeln. "Wir haben viel zu viele Politiker im Bundestag, die klassische Parteikarrieren haben, aber keinen Bezug zum Alltag der Leute." Das fördere die Ablehnung des "Establishments". Logeswaran ist SPD-Mitglied, er glaubt an die Zukunft seiner Partei trotz deren desolaten Zustands, aber er will noch nicht auf die große Bühne. Lieber spinnt er im Hintergrund seine Netzwerke. Bei der Preisverleihung in London traf er auf junge Gleichgesinnte, die in ihren Ländern gegen Nationalismus und Korruption aufstehen. Mit ihnen will der Weltbürger sich jetzt verbünden.