50. Münchner Sicherheitskonferenz "München ist der Oscar für die Freaks der Sicherheitspolitik"

Dort freilich stieß die Veranstaltung mit ihren aufwendigen Sicherheitsvorkehrungen auf den Unmut der Münchner, die einen Polit-Auflauf dieser Qualität misstrauisch beäugten. Selbst wenn ein enthusiastischer US-Teilnehmer vergangenes Jahr twitterte: "München ist der Oscar für die Freaks der Sicherheitspolitik" - die Münchner wussten es nicht immer zu schätzen, dass es auf der Welt keine vergleichbare Großveranstaltung der internationalen Politik gibt. Dieses Jahr kommen 20 Staats- oder Regierungschefs, 50 Außen- und Verteidigungsminister und Teilnehmer aus allen Winkeln der Welt.

Ein als Tod verkleideter Mann mit einer Drohne über dem Kopf und einem roten Steuerhebel in der Hand nimmt am 2. Februar 2013 an einer Demonstration gegen die 49. Münchner Sicherheitskonferenz in München teil.

(Foto: dpa)

Nach dem Kosovo-Krieg und mehr noch nach Beginn der Bush-Kriege im Gefolge der Anschläge am 11. September 2001 kochte auch der politische Protest gegen das Treffen hoch, das von Kleist nach dem Fall der Mauer in Münchner Sicherheitskonferenz umbenannt hatte (allerdings ohne die vor allem amerikanischen Gäste je von diesem Namen zu überzeugen). Auf den Straßen versammelten sich Tausende Demonstranten, die mit dem Verständnis von Sicherheitspolitik im Saal nichts anfangen konnten und einen radikalen Pazifismus verlangten.

Dieser Konflikt ist bis heute nicht ausgeräumt, die Gegner haben inzwischen ihre eigene Veranstaltung geschaffen, die Münchner Friedenskonferenz. Erstmals nehmen in diesem Jahr auch Beobachter der Friedenskonferenz am Treffen im Bayerischen Hof teil.

Die Stadt in Person des Oberbürgermeisters reagierte uneindeutig. Zwar hieß Christian Ude die internationalen Gäste stets willkommen und öffnete häufig auch das Rathaus. Gleichzeitig ließ er seine Sympathie für den Protest erkennen. So ist Ude vielleicht ganz symptomatisch für die Ambivalenz der Münchner gegenüber den prominenten Gästen und ihren schwierigen Stoffen: Nachrüstung, Doppelbeschluss, Abschreckung, Nuklearstrategie. Zuletzt entspannten sich die Fronten zusehends, vielleicht auch, weil die Konferenz vielfältiger geworden ist und transparenter.

Große Pläne, kleine Gesten - ohne Protokoll

Vor allem aber ist die Tagung gewachsen. Aus der privaten Runde ist ein gewaltiger Konferenzzirkus geworden, der von 800 Journalisten beobachtet wird und mehr als nur den Bayerischen Hof belegt. Gäste logieren inzwischen in vielen Hotels der Stadt, das Pressezentrum ist ausgelagert, Abendessen oder Nebenveranstaltungen finden in ganz München statt, auch vor und nach der eigentlichen Konferenz. Das Wachstum begann bereits unter Kleists Nachfolger, Horst Teltschik, der vor allem Osteuropäer, Russen und auch schon einige Asiaten an den Tisch holte.

Wolfgang Ischinger bei der Vorstellung des Buches "Towards Mutual Security. Fifty Years of Munich Securiy Conference" im Januar 2014.

(Foto: dpa)

Der dritte Leiter der Konferenz, Wolfgang Ischinger, betreibt mit dem Treffen geradezu Markenpolitik. Unlängst hat gar ein Student seine Abschlussarbeit über das Markenphänomen MSC verfasst. Wer auf die Parallelveranstaltung der globalen Wirtschaftselite in Davos schaut, der weiß, welches Potenzial noch in München steckt.

Übers Jahr verteilt treffen sich heute schon verschiedene Zirkel mal zur Energiepolitik, mal zu den Problemen von Cyber-Sicherheit. Große Konzerne sind plötzlich mit ihren Vorstandsvorsitzenden vertreten und auch die Zivilgesellschaft - NGOs, Aktivisten, auch ein paar der Kritiker. Das macht die Konferenz zu einem Riesenbetrieb, den man am besten nutzen kann, wenn man den Terminkalender schon ein paar Wochen zuvor gefüllt hat.

Münchner Sicherheitskonferenz Leibwächter und Touristenführer
Münchner Sicherheitskonferenz

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Denn dies ist der andere Wert des Drei-Tage-Palavers: Politiker, hohe Beamte und selbst die professionellen Notengeber an der Seitenlinie bekommen angenehm verdichtet jeden Gesprächspartner serviert, den sie sich nur wünschen. Informell, ohne Protokoll, ohne Erklärungsnot, einfach so.

In den Mauern des Bayerischen Hofs gibt es zwar keinen Fasching mehr. Aber in den Suiten und Salons lassen sich diskret Kontakte zwischen verfeindeten Parteien anbahnen, große Entwürfe schmieden oder einfach nur kleine Gesten austauschen.