Lothar Matthäus findet, dass der FC Bayern für den hochbegabten Stürmer Nick Woltemade mindestens 80, vielleicht sogar eher 100 Millionen Euro als Ablösesumme auf den Tisch legen sollte. So hat er das am Wochenende bekundet. Der Ehrenpräsident des FCB Uli Hoeneß, in dem sich der Gott der gelingenden Personalpolitik zuletzt nicht mehr ganz so häufig manifestierte, hat Matthäus daraufhin, ebenfalls öffentlich, fehlende Tassen im Schrank bescheinigt. Aus seiner Sicht geht es dabei zum einen um die Höhe der Summe, zum anderen um die Dreistigkeit eines Matthäus, sich zu den Geschäften des Vereins zu äußern. Hoeneß, der seinen Ärger über andere sonst auch gern per Fäkalsprache kundtut, hat sich in diesem Fall für eine geradezu blumige, um nicht zu sagen, rührende Redewendung entschieden. Sie erinnert an alte Vitrinen, in denen etwa das Teeservice aufbewahrt wird – das könnte auch eine Wurzel der Redewendung sein. Gemutmaßt wird auch, dass die Tasse als Metapher für Verstand aus dem Hebräischen entlehnt ist; „Tushiya“ bedeutet „Umsicht“ und klingt, wenn man es ganz schlampig spricht, ein bisschen wie „Tasse“. Wie auch immer es dazu kam – die Deutschen stellen sich die Köpfe der anderen wohl gern als Möbelstück vor.
MeinungAktuelles LexikonTassen im Schrank

Von Meredith Haaf

Eine blumige Wendung, um die Zurechnungsfähigkeit anderer infrage zu stellen, in dieser Woche unter anderem von Uli Hoeneß eingesetzt.
