In den späten 1990er-Jahren beschäftigte ein neues Phänomen der Jugendkriminalität die Polizei. Vornehmlich in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München klauten Jugendliche anderen Jugendlichen Markenklamotten, begingen Ladendiebstähle oder stellten strafrechtlich meist im Bagatellbereich rangierenden Unfug an - aus reiner Langeweile, denn an Geld mangelte es ihnen nicht. Sie stammten aus wohlhabenden Familien. Das rief Soziologinnen und Kinderpsychologen auf den Plan mit der Erkenntnis: Die Minderjährigen schlugen häufig deshalb über die Stränge, weil sie von ihren Eltern zu wenig Aufmerksamkeit erhielten. Zum Beispiel, weil Mutter und Vater für den Wohlstand der Familie berufstätig waren. Statt liebevoller Zuneigung gab es den Fernseher im Kinderzimmer und drei Urlaubsreisen im Jahr. Dafür prägte die Schweizer Psychologin Ulrike Zöllner 1997 in ihrem Buch "Die armen Kinder der Reichen" den Begriff "Wohlstandsverwahrlosung". Aktualität erlangt dieser Begriff, der unter anderem asoziales Verhalten und Missachten von Normen als Merkmale auflistet, im Zusammenhang mit sogenannten "Rich Kids", also jungen Menschen mit reichen Eltern, die am Pfingstwochenende in einem teuren Club auf Sylt rechte Parolen grölten und Nazi-Gesten zeigten.
Aktuelles LexikonWohlstandsverwahrlosung
Ende der 90er geprägter Begriff für Kinder reicher Eltern, die aus Langeweile stehlen oder randalieren. Oder wie jetzt auf Sylt rechte Parolen grölen.
Von Karin Kampwerth
