Die Aufklärer im Untersuchungsausschuss zum Fall Wirecard haben es nicht mehr nur mit Zeugen zu tun, bei denen die Gefahr der Teilamnesie besteht. Sondern auch mit dem Coronavirus. Der erste wichtige Sachverständige, den sich die Abgeordneten zum Auftakt an diesem Donnerstag eingeladen hatten, steckte wegen Quarantäne in Tunesien fest. Der Ausschuss musste ohne ihn tagen.
Das ist kein gutes Omen für das Gremium, das den größten Bilanzbetrug in der jüngeren deutschen Geschichte aufklären will, zumindest die politischen Verantwortlichkeiten. Auf das Ergebnis setzen nicht zuletzt Tausende Anleger. Sie haben drei Milliarden Euro verloren und hoffen, dass sie doch noch was von dem Geld zurückbekommen. Doch nun kommt zur ohnehin knappen Zeit - im April muss alles aufgeklärt sein - das Virus.
Es verdient Anerkennung, dass die Aufklärer, zumindest die von der Opposition, bisher versuchen, die Widrigkeiten der Pandemie mit noch mehr Energie auszugleichen. Das wird auf Dauer nicht reichen. Schon die nächsten Probleme sind absehbar: Wo und wie sollen im Bundestag öffentlich Zeugen befragt werden in Corona-Zeiten? Dürfen sie überhaupt anreisen? Was geht digital? Die Fragen zeigen: Der U-Ausschuss braucht jetzt zuallererst ein Hygienekonzept.