In dem Prozess gegen den Bonner Kinderpsychiater Michael Winterhoff geht es um einen Pharmaversuch, den wohl keine Ethikkommission genehmigt hätte. Auf Grundlage einer von ihm selbst erfundenen Diagnose, die nicht wissenschaftlich anerkannt ist, verschrieb ein Arzt seinen Patientinnen und Patienten offensichtlich über viele Jahre Medikamente. Es waren Psychopharmaka, die sedierend wirken, die Persönlichkeit verändern und schwere, irreversible Nebenwirkungen verursachen können. Die unfreiwilligen Teilnehmer dieses Experiments waren Kinder, viele von ihnen befanden sich in staatlicher Obhut und lebten in Heimen, weil es im Elternhaus große Schwierigkeiten gegeben hatte. Das Experiment fand also unter staatlicher Aufsicht statt. Und nicht nur das.
MeinungJustizDie Aufklärung des Falls Winterhoff droht an einem überforderten Gericht zu scheitern

Kommentar von Rainer Stadler
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Kinder und Jugendliche wurden jahrelang sediert, es zeigen sich gravierende Missstände in der Jugendhilfe. Doch am Gericht kommt kein angemessener Umgang mit den Fällen zustande. Und auch die Politik kümmert sich nicht.
