Welthandel Donald Trump - wild und wüst

Kurz vor neuen Gesprächen mit China droht US-Präsident Trump mit einer Erhöhung der ohnehin beträchtlichen Strafzölle.

(Foto: AFP)

Der Handelsstreit mit China zeigt: Der US-Präsident will kurzfristig punkten. Dass er längerfristig seinem Land schadet, ist ihm egal.

Kommentar von Claus Hulverscheidt

Unmittelbar vor seiner Ankündigung, den Handelsstreit mit China weiter anzuheizen, hat sich Donald Trump am Sonntagabend zum Ausgang eines Pferderennens geäußert. Es könne nicht sein, so der Präsident sinngemäß im Kurzmitteilungsdienst Twitter, dass der Sieger des berühmten Kentucky Derbys disqualifiziert werde, nur weil er seine Gegner mit ein paar fiesen Manövern behindert habe. Mit dem Beschluss habe die Rennleitung einen derben und damit "wunderschönen" Wettkampf ad absurdum geführt - und sich einer verkorksten politischen Korrektheit ergeben.

Im Grunde ist mit dem Tweet alles gesagt über Trump, über seinen Charakter und die Art, wie er die Welt sieht - darunter den Konflikt mit China: In einem Wettstreit, auch einem politischen, sind gemeine Tricks und beherzte Schläge unter die Gürtellinie erlaubt, denn alles, was zählt, ist, wer sich am Ende durchsetzt. Ein anderer Chefunterhändler hätte zu Beginn der womöglich entscheidenden Handelsgespräche vielleicht ein Signal der Verbindlichkeit nach Peking gesandt. Trump dagegen droht mit der Erhöhung der ohnehin beträchtlichen Strafzölle auf chinesische Warenimporte und verschärft damit die Konfrontation.

Aus seiner Sicht ist die Eskalation folgerichtig: Willigen Pekings Unterhändler Ende der Woche in ein Abkommen ein, wird sich der Präsident von seinen Hofschranzen für die angeblich geniale Erpressungsstrategie feiern lassen. Ziehen die Damen und Herren aus Fernost beleidigt ab, erhöht er die Zölle erneut und markiert so den starken Mann. Zumindest kurzfristig - und das ist der einzige Zeithorizont, der Trump interessiert - ist das eine Strategie, bei der er nur gewinnen kann.

Falsche Aussagen im Tweet

Mittelfristig aber sieht es anders aus, und weil das offenkundig sogar dem Präsidenten selbst schwant, hat er seine beiden Tweets zum Handelskonflikt mit Unwahrheiten nur so gespickt. Die Zölle auf chinesische Warenlieferungen sind demnach einer der zentralen Gründe für die gute US-Wirtschaftslage. Zudem hätten sie kaum Auswirkungen auf die Preise gehabt und schadeten praktisch allein den Lieferanten aus der Volksrepublik. Diese Aussagen sind falsch: Der Autobauer GM zum Beispiel klagt, Trumps Zölle hätten ihm in nur einem Jahr Mehrkosten von einer Milliarde Dollar beschert.

Seit er 2015 in den Wahlkampf eingetreten ist, versichert der heutige Präsident seinen Landsleuten, es sei vernünftig, aus bilateralen Handelsverträgen und internationalen Abkommen auszusteigen, weil er, Trump, mit seiner aggressiven Verhandlungsführung bessere Ergebnisse für die Amerikaner herausholen könne. Bis jetzt ist das Gegenteil richtig: Auch nach der mit viel Tamtam verkündeten Reform des nordamerikanischen Handelsabkommens Nafta wird kein einziges Auto, das zuvor in Mexiko gebaut wurde, wieder in den Vereinigten Staaten gefertigt. Und der Ausstieg aus dem TPP-Vertrag der Pazifikanrainer hat den Bauern in Trump-Land Milliardenverluste beschert. Japan etwa kauft Wein und Schweinefleisch nun günstig in Australien, Neuseeland, Chile und Kanada statt in den USA ein.

Das Problem ist, dass derlei Erkenntnisse bei Trump nicht etwa zu Einsicht und Umkehr führen, sondern Anlass sind, nur noch wilder und wüster um sich zu treten. Für die Weltwirtschaft, die nach einigen eher düsteren Monaten zuletzt wieder ein paar erfreulichere Signale ausgesendet hatte, sind das bedrohliche Aussichten.

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