Es gibt eine Angst vor Weihnachten. Sie läuft nicht durch die Weihnachtsmärkte; sie schlägt lieber einen Bogen um die Holzbuden und Tannenbäume; sie freut sich nicht darauf, dass es dunkel und romantisch wird und dass der Schnee leise rieselt. Sie ist da; und je mehr es weihnachtet, umso größer ist sie. Man kann diese Angst nicht riechen, sie riecht nicht nach Glühwein. Man kann sie nicht schmecken, sie schmeckt nicht nach Lebkuchen. Man kann sie nicht singen; sie hat keine Lieder. Der Weihnachtszauber stresst nicht nur viele Menschen; manchen Trauernden, Einsamen und Verwundeten graut regelrecht vor ihm. Sie seufzen im Stillen: „Wenn Weihnachten doch schon vorbei wäre.“ Dann sind sie befreit vom „O du fröhliche“ und vom „Süßer die Glocken nie klingen“, vom kleinen Lord und vom Familienpflichtbesuch.
MeinungGesellschaftMenschen brauchen Trost
Kolumne von Heribert Prantl
Lesezeit: 4 Min.

Überall auf den Weihnachtsmärkten glitzert es, Besucher drängen sich vor den Buden wie hier in der Residenz in München. Aber nicht alle Menschen fühlen sich zur Weihnachtszeit wohl.
Catherina Hess/Catherina HessIn diesen Tagen spüren viele, was ihnen fehlt. Sie erleben schmerzhaft die Diskrepanz zwischen Schein und Sein. Was hilft da?
