Eine Wattwanderung gehört zum Standardprogramm eines jeden Nordsee-Urlaubers. Wenn sich das Meer bei Ebbe zurückzieht, gehen die Besucher zumeist barfuß hinein in den Schlick, graben nach Wattwürmern, entdecken Krabben und Herzmuscheln. Millionen Touristen erleben dabei einen klitzekleinen Ausschnitt der Tier- und Pflanzenwelt. Allein zehn Millionen Zugvögel kommen jährlich hier vorbei. Es „ist ein Ort voller Extreme und von besonderer Bedeutung für die weltweite Biodiversität“, schreibt die Unesco. Vor den Küsten Dänemarks, Deutschlands und der Niederlande erstreckt sich das Watt über 500 Kilometer, es ist damit das größte Feuchtgebiet Europas und das mit Abstand größte Wattenmeer der Welt. Ein Nationalpark wurde 1985 gegründet, seit 2009 gehört es zum Weltnaturerbe der Unesco. Doch die UN-Organisation hat den drei Anrainern zuletzt eine Rüge erteilt. Denn die Nordsee wird zunehmend genutzt zur Energiegewinnung. Stromleitungen von den Offshore-Windparks werden unter dem Watt zur Küste geführt, LNG-Terminals gebaut, vor Borkum soll bald nach Erdgas gebohrt werden. Der Naturschutzbund (Nabu) erklärte zuletzt: Die drei Länder „müssen sich bewusst sein, welches Paradies für Mensch und Tier auf dem Spiel steht“.