Bob Woodward (rechts) und Carl Bernstein dürften die berühmtesten Reporter der Welt sein. Das Bild zeigt die beiden am 7. Mai 1973 im Newsroom ihrer Zeitung, der Washington Post. Sie enthüllten den Watergate-Skandal, eine Abhöraffäre, an deren Ende 1974 der Rücktritt von US-Präsident Richard Nixon stand. Es war die größte Zeit der Post. 1877 gegründet, wurde das Blatt rasch die führende Zeitung in der US-Hauptstadt, allerdings nicht immer gut geführt. 1933 rettete der Finanzier Eugene Meyer sie vor der Pleite und investierte in Qualitätsjournalismus. Unter der Führung seiner Tochter Katharine und ihres Ehemanns Phil Graham stieg die Zeitung neben der New York Times zum politisch einflussreichsten Blatt der USA auf. 2013 verkaufte die Graham-Familie die Post, die wie viele Zeitungen mit Auflagen- und Anzeigenschwund kämpfte, an den Milliardär Jeff Bezos, um so die Zukunft des Blatts zu sichern. Das könnte sich nicht nur angesichts der Entlassungswelle in dieser Woche als trügerische Hoffnung erweisen. „Democracy Dies in Darkness“, Demokratie stirbt in Dunkelheit, hatte die Redaktion 2017 als Motto und Mahnung vor Donald Trumps Attacken auf die Pressefreiheit über ihre Website geschrieben. Nun droht die Dunkelheit die Post selbst zu verschlingen.
GeschichtsbildBei der „Washington Post“

Watergate wird auf ewig mit dem Namen dieser Zeitung verbunden sein. Was für ein Wert. Aber unter Werten versteht der heutige Eigentümer Jeff Bezos offenbar nur Geld.
Von Reymer Klüver
