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Klimakrise:Eichen im Stress

Neue Sorten können Deutschlands Wälder fitter machen. Doch das Problem wurzelt tiefer.

Kommentar von Michael Bauchmüller, Berlin

Bäume wachsen buchstäblich in ihre Probleme hinein. Wenn Förster heute in lichte Kronen blicken, dann gehören die zu 30, 40 oder 50 Jahre alten Bäumen. Gepflanzt in Zeiten, in denen "Klimaschutz" noch nicht im Duden stand. Gehegt oft zu dem Zweck, dereinst Geld zu bringen. Konnte ja keiner ahnen, dass Fichten und andere Gehölze mal reihenweise Hitze und Trockenheit zum Opfer fallen würden.

Am Mittwoch hat das Bundeskabinett sich mit dem Wald befasst. Der Zustandsbericht ist nur das jüngste Dokument einer Entwicklung, die jeder sehen kann, der mit offenen Augen deutsche Wälder durchstreift. Vier von fünf Fichten, Kiefern, Eichen sind angegriffen, neun von zehn Buchen. Bäume sterben.

Das ist noch kein Waldsterben, und es steckt auch eine Chance darin. Der Wald ist auch deshalb so anfällig, weil er vielerorts so wenig gemischt ist. Wenn Bäume nun absterben, dann machen sie auch Platz für den Umbau: Für Baumarten, die mit dem Klima besser zurechtkommen. Vielleicht sogar solche, die bisher eher in Südeuropa vorkamen. Aber Vorsicht: Auch diese Bäume wachsen in ihre Probleme hinein. Wer weiß schon, welche Extreme sie in den nächsten 30, 40, oder 50 Jahre überstehen müssen? Mehr Mischung, angepasste Sorten, weniger Monokulturen - alles richtig. Aber die beste Antwort heißt gute, entschiedene Klimapolitik.

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