Süddeutsche Zeitung

Volkswagen:Lächerlich wenig

Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn soll dem Konzern elf Millionen Euro wegen des Dieselskandals bezahlen. Elf Millionen für einen Milliardenschaden? Doch damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende.

Von Caspar Busse

Gut elf Millionen Euro - das ist also die Summe, die der langjährige VW-Chef Martin Winterkorn an seinen ehemaligen Arbeitgeber zahlen muss, als Entschädigung für einen der größten Wirtschaftsskandale. Darauf haben sich alle Seiten nach schier endlosen Prüfungen nun geeinigt. Elf Millionen Euro - das ist viel und wenig zugleich.

Die Summe ist natürlich lächerlich niedrig, wenn man sich den Schaden anschaut. Das Image von VW und der gesamten deutschen Autoindustrie hat gewaltig unter dem Dieselbetrug gelitten, mehr als 30 Milliarden Euro musste der Autobauer aus Wolfsburg bisher dafür zahlen, ein Ende der Rechtsstreitigkeiten ist nicht in Sicht. Die Summe ist auch für Winterkorn zu verschmerzen, war er doch einst der bestverdienende Chef eines Dax-Konzerns. Zwar kommen nun auch von der Manager-Haftpflichtversicherung weitere 270 Millionen Euro für VW, aber auch das ist nur ein Tropfen.

Auf der anderen Seite sind elf Millionen Euro auch viel. Noch nie hat ein Ex-Chef so viel gezahlt. Heinrich von Pierer war im Siemens-Korruptionsskandal mit weniger als der Hälfte dabei. Winterkorn konnte bisher nichts handfest nachgewiesen werden. Aber es ist noch nicht zu Ende, im September soll das Verfahren in Braunschweig beginnen, gerade hat die Staatsanwaltschaft Berlin Winterkorn angeklagt. Die elf Millionen Euro könnten also nur der Anfang sein.

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