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US-Vorwahlen:Alles läuft für Sanders

Democratic Presidential Candidates Debate In Charleston Ahead Of SC Primary

Für Bernie Sanders (Mitte) läuft der demokratische Vorwahlkampf gut, für Joe Biden und Elizabeth Warren weniger.

(Foto: AFP)

Im Vorwahlkampf der Demokraten bleibt wohl bald nur noch Bernie Sanders als Kandidat der Linken übrig. Das Lager der Gemäßigten ist zersplittert. Am Ende könnte Sanders gegen Trump antreten. Das ist riskant.

Eigentlich reicht es jetzt. Zehn Fernsehdebatten haben die demokratischen Präsidentschaftsbewerberinnen und -bewerber seit Juni hinter sich gebracht, zuletzt stritten sie sich am Dienstagabend in Charleston, South Carolina. Die Besetzung hat sich über die Monate verändert. Aber die Streitthemen und wer auf welcher Seite steht, all das ist mehr oder weniger gleich geblieben.

Seit Anfang Februar stimmen nun die Wähler darüber ab, wer für die Demokraten im November gegen Donald Trump antreten soll. Und vielleicht täte es der Demokratischen Partei und den Kandidaten ganz gut, die Wähler dabei in Ruhe zu lassen.

Das heißt nicht, dass die Debatten sinnlos waren. Im Gegenteil. Wer zugesehen hat, bekam einen ziemlich guten Eindruck davon, was für Politiker und Menschen die Kandidatinnen und Kandidaten sind. Beeindruckende (und irreführende) Wahlwerbespots kann jeder drehen. Aber sich auf einer Debattenbühne zu verstecken oder zu verstellen, geht auf Dauer nicht.

Das hat dazu geführt, dass aus dem großen Bewerberfeld ein paar Leichtgewichte ausgesiebt wurden, dass einige zunächst recht vielversprechend aussehende Anwärter als doch nicht so vielversprechend entlarvt wurden und dass sich ein harter Kern verbleibender Kandidaten herausgeschält hat.

Bloomberg hat Sanders letztlich geholfen

Diese Überlebenden wiederum wurden durch das ritualisierte Gezanke, zu dem sie sich treffen mussten, noch abgehärteter. Vor allem in den jüngsten zwei, drei Debatten ging es heftig zur Sache, der Streit wurde auf eine ungute Art bitter und persönlich. Das hat der Späteinsteiger Mike Bloomberg zu spüren bekommen.

Er kam bei seinem ersten Auftritt vor einer Woche in Paradise (Las Vegas) in die Arena stolziert wie eine schön gekämmte Perserkatze, die feierlich begrüßt und bewundert werden wollte. Doch dann fiel ein Rudel bissiger Straßenkater über ihn her. Am Dienstag wehrte er sich zwar halbwegs ordentlich. Ob es reichte, um das Desaster in Nevada zu übertünchen, kann man bezweifeln.

Allerdings haben die Debatten das Grundproblem dieses Vorwahlkampfs nicht gelöst: Die Demokratische Partei ist tief gespalten in einen linken und einen moderaten Flügel. Aber während um die Stimmen der "progressiven" Parteianhänger von Beginn an nur zwei Bewerber kämpften, Bernie Sanders und Elizabeth Warren, drängeln sich im gemäßigten Lager bis heute mindestens fünf Kandidatinnen und Kandidaten: Joe Biden, Pete Buttigieg, Mike Bloomberg, Amy Klobuchar und Tom Steyer.

Und während Warren den Eindruck macht, als habe sie aufgegeben und Sanders das Feld überlassen, fechten auf der moderaten Seite alle weiter gegeneinander. Aufgeben will niemand.

Diese Zersplitterung des gemäßigten Lagers war ein wesentlicher Grund dafür, dass Sanders bisher bei den Vorwahlen so abräumen konnte. Bleibt das so, werden die Demokraten mit einem Kandidaten in den Wahlkampf ziehen, der kein Mitglied ihrer Partei und wegen seiner linkssozialistischen Ideen ein wahltaktischer Gefahrguttransport ist. Bloomberg, der früher Republikaner war, wollte das verhindern. Er hat aber das Chaos durch seine späte Kandidatur vergrößert und Sanders dadurch geholfen.

Ordnung in dieses Durcheinander müssen die Wähler bringen. Bisher hat Sanders zwar keine absolute, aber eine relative Mehrheit der Parteianhänger hinter sich gesammelt. Wenn er das am Samstag in South Carolina und am Dienstag - am "Super Tuesday", an dem in 14 Bundesstaaten Vorwahlen stattfinden - auch schafft, können die anderen zetern und schreien, dann ist Sanders die Kandidatur kaum noch zu nehmen. Dann nützt es auch nichts mehr, weiterzustreiten.

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© SZ vom 27.02.2020/cat
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