Wenn die Vögel ziehen, reisen auch die Viren. Das Vogelgrippevirus mit dem Namen H5N1 löst seit Herbst 2021 kontinuierlich und nahezu weltweit Ausbrüche unter Wildvögeln und Zuchttieren aus. Jetzt ist der Erreger mit ungeheurer Wucht nach Deutschland zurückgekehrt. Mehr als 30 Ausbrüche in Geflügelhaltungen wurden bisher bekannt, etwa 400 000 Tiere mussten deshalb getötet werden. An mehr als 70 Orten in nahezu allen Teilen Deutschlands sind in den vergangenen Wochen verendete Wildvögel gefunden worden. Das für Tierseuchen zuständige Friedrich-Loeffler-Institut betont, dass es sich nur um eine Momentaufnahme handele. Mit dem Höhepunkt des Vogelzugs breitet sich das Virus wahrscheinlich weiter rapide aus. Die Preise von Fleisch und Eiern dürften in der Vorweihnachtszeit deutlich steigen. Für Menschen ist das Virus bisher nicht gefährlich. Zwar haben sich bereits eine Reihe von Säugetieren mit dem Erreger infiziert, und aus den USA wurden auch mindestens 70 menschliche Infektionen bekannt, doch in den meisten Fällen traten nur milde Symptome auf. Von Mensch zu Mensch konnte das Virus bisher nicht springen. Fachleute sind dennoch alarmiert: Durch Mutationen könnte H5N1 auch gefährlich für Menschen werden.
MeinungAktuelles Lexikon:Was ist die Vogelgrippe?
Von Hanno Charisius

Ausgelöst wird die tödliche Krankheit durch ein Virus, das sich alljährlich mit dem Zug der Wildvögel auf Reisen begibt.