Die drei größten Verschiebebahnhöfe Deutschlands befinden sich in Maschen bei Hamburg, Mannheim und Berlin-Mitte. In Maschen und Mannheim gelten sie als ehrenwerte Einrichtungen der Deutschen Bahn (DB). Güterwaggons werden dort zu neuen Zügen zusammengestellt oder bestehende Züge zerlegt, damit Waggons zu anderen Zügen gebracht werden können. Im deutschen Bahnbetrieb gibt es den Ausdruck jedoch schon seit 1960 nicht mehr; die DB benutzt ein anderes Wort: Rangierbahnhof. Gehalten hat sich der Verschiebebahnhof in der Politik, wo er indes keine unverzichtbare Anlage ist, sondern die Metapher für höchst verzichtbare Regierungstricks. Nun macht das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) dem Bundesfinanzministerium aus Berlin-Mitte diesen Vorwurf: Es nutze das Sondervermögen zur Modernisierung der Infrastruktur für Ausgaben, die bisher aus dem Kernetat gedeckt worden seien. Es habe also einen „Verschiebebahnhof“ eingerichtet. Größenmäßig sind die Bahnhöfe in Maschen und Berlin-Mitte unvergleichlich. Der in Maschen ist 2,8 Quadratkilometer groß, das ist fast anderthalb mal so groß wie Monaco. Der in Berlin-Mitte umfasst bis zu 500 Milliarden Euro.
Aktuelles LexikonWas ist ein Verschiebebahnhof?

Soeben mal wieder in Berlin-Mitte entdeckt. Und mal wieder wird er einer ehrenwerten Einrichtung der Deutschen Bahn nicht gerecht.
Von Detlef Esslinger
