Uwe Seeler:Sein letzter Dienst

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Die Trauerfeier ist eine Ehrung für den Verstorbenen. Aber nicht nur das.

Uwe Seeler ist bereits vor einigen Tagen beerdigt worden, ohne Öffentlichkeit, was angemessen ist; und nun ist er mit einer Trauerfeier im Hamburger Volksparkstadion verabschiedet worden, also in maximaler Öffentlichkeit; was unbedingt zu begrüßen war. Solch eine Feier ist zum einen eine Ehrerbietung an den Verstorbenen. Zum anderen war die Zusammenkunft am Mittwoch ein letzter Dienst, den Seeler der Gesellschaft erwiesen hat.

Alles richtig und zum Teil zu Herzen gehend, was die vier Redner - der Bürgermeister, der DFB-Präsident, der HSV-Vorstand, der Freund - ins Mikrofon sprachen. Trauerfeiern sind ja immer eine Veranstaltung, bei der nicht nur gesagt wird, als was jemand in Erinnerung bleiben wird, sondern auch, was und wie man selbst gern wäre, auf jeden Fall gern gesehen würde. Liebenswerter Mensch, Charakterstärke, wollte gewinnen, konnte verlieren, nie Weltmeister geworden, aber ewig Uns Uwe. "Einer von uns, nur besser", sagte der Mann vom HSV, der geboren wurde, als Seeler schon ein Ex-Spieler war. Aber auch, was die Älteren betrifft: Gibt es eigentlich irgendjemanden, der je über Uwe Seeler gelästert hätte? Solch eine Frage ist ja auch ein Kompliment, vielleicht nicht das kleinste, das einem nachgerufen werden kann.

Egal welche Schicht, alle sind gekommen

Wer über die Tribünen blickte, sah Menschen, denen der Anzug wie eine zweite Haut saß, und solche, die sich erkennbar in einen gezwängt hatten. Manche Leute trugen Polohemd und Chino, die Freizeituniform der etablierten Stände, andere kamen im Camp-David-Shirt, im neuen und im sehr gestrigen HSV-Trikot, es saßen da sehr Alte neben sehr Jungen, graue Haare neben grellroten. Es ist so viel Stress gerade überall, zu viele sind zu oft vor allem in ihrer Blase unterwegs, aber jede Gesellschaft braucht Erfahrungen, die auch diejenigen verbindet, die sonst wenig verbindet. Es heißt derzeit immer, Uwe Seeler sei so bescheiden gewesen. Gut, dass er zumindest so unbescheiden war, diese Trauerfeier zuzulassen.

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