Die Wahl von Amy Coney Barrett zur Richterin am Supreme Court hat einen unappetitlichen politischen Beigeschmack, der aber verfliegen wird. Natürlich nutzte die republikanische Mehrheit im Senat ihre Berufungsmehrheit aus, genauso wie sie vor vier Jahren ihre Macht zur Verhinderung des Kandidaten von Präsident Barack Obama gebraucht hat. Mehrheit ist Mehrheit, da braucht es keine Begründung. Die Demokraten hätten in ähnlicher Position nicht anders gehandelt.
Nicht verfliegen wird die ideologische Würze, die Donald Trump dem Gericht verpasst hat. Dieses Gericht war nie nur letzte Prüfinstanz für die Gesetzgebung oder für die Taten der Regierung. Das amerikanische Recht gibt dem Supreme Court Gestaltungskraft. Wenn eines von dieser Präsidentschaft bleibt, dann die nachhaltige Ideologisierung des Gerichts, der politische Auftrag.
In seiner Geschichte hat das Gericht seinen Einfluss oft ideologisch, aber auch immer wieder mäßigend ausgelegt. Hielten sich die Lager auf den Richterplätzen die Waage, fiel die Rechtsprechung abwägend aus. Hielt eine Seite die satte Mehrheit, gerieten die Urteile ebenso einseitig. Die Präsidentschaftswahl könnte eine lange Phase der Dominanz der Demokraten einläuten. Trumps Erbe aber wird für lange Zeit am Obersten Gericht verwaltet werden.