USA:Und es wird noch schlimmer

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Die Republikaner setzen das Thema Migration wieder auf die Tagesordnung - mit aller Macht und allen Mitteln.

Kommentar von Peter Burghardt

Es ist Wahlkampf in den USA, im November sind Zwischenwahlen. Das erklärt alles, was amerikanische Politiker derzeit tun und lassen. Die Midterms sind auch der entscheidende Anlass für die Manöver republikanischer Gouverneure aus Florida, Texas und Arizona, die Busse und Flugzeuge voller Migranten in Hoheitsgebiete der Demokraten schicken, nach Washington, New York oder auf die Luxusinsel Martha's Vineyard.

Das könnte den Republikanern Stimmen bringen, einerseits. Sie wollen regional wiedergewählt werden und wollen national Abgeordnetenhaus sowie Senat zurückerobern. Sie setzen das Dauerthema Migration wieder besonders knallig auf die Tagesordnung, es gibt da tatsächlich einiges zu besprechen. Aber andererseits wohl nicht so, wie sich die Männer aus dem Süden das vorstellen. Menschen eignen sich grundsätzlich nicht dazu, zu Wahlkampfzwecken durch die Gegend kutschiert zu werden wie Ausstellungsstücke. Obendrein mit falschen Versprechen. Die Reisen dieser Lateinamerikaner an die US-Südgrenze waren unangenehm genug. "Illegal", wie schnell behauptet wird, sind sie häufig nicht, denn sie bitten in der Regel um Asyl und haben so lange das Recht dazu, bis sie eindeutig abgewiesen sind.

Ohne Einwanderer würden die USA sowieso zusammenbrechen, Spanisch wird an jeder zweiten Ecke gesprochen. Auch diese Latinos arbeiten, zahlen Steuern, ziehen Kinder groß, gehen in die Kirche, werden selbst Wählerinnen und Wähler. Sogar rein ökonomisch bringen sie den USA mehr, als sie kosten. Dennoch, der Druck an der Südgrenze ist groß, die Migrationsgesetze müssen reformiert werden. Die Debatte scheuen selbst viele Demokraten, und sie brauchen dafür auch Stimmen der Republikaner. Geld für Hilfsprojekte und überparteiliche Zusammenarbeit wären sinnvoller als Flüge auf eine Insel für die Manege. Aber der Streit dürfte noch übler werden, wenn 2024 Donald Trump gegen Joe Biden antritt.

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